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Rauswurf : Sportvereine setzen Partei von Bernd Lucke vor die Tür

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Mangels Veranstaltungsraum hat die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) gestern ihre Kampagne „Wir stoppen Merkel“ in Wedel ausfallen lassen. Sie wirft der Partei der Linken in diesem Zusammenhang Nötigung vor und will Regressansprüche prüfen.

Die Partei des ehemaligen Chefs der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, hatte die Highlight-Sportsbar im Haus des Wedeler Turn- und Sportverein (TSV) gebucht. Doch der Pächter Johannes Kunze und der TSV-Vorstand luden sie wieder aus. Christopher Hähne, Generalsekretär der Alfa-Schleswig-Holstein, teilte den UeNa gestern mit, dass er aufgrund der vorweihnachtlich starken Nachfrage nach Lokalen keinen Ausweichsaal gefunden habe.

Nachdem Kunze die Reservierung angenommen hatte, erhielt er Besuch von einem Willkommensfest-Team. Es habe ankündigt, die Alfa-Veranstaltung verhindern zu wollen. Aus Sorge vor Einnahmeverlusten sagte Kunze der Allianz daraufhin ab. „Wir haben keine Lust, zwischen die Fronten zu geraten“, sagte er. Zudem werde der Verein in die Räume über der Bar bald Flüchtlinge einquartieren. Dazu passe die Alfa-Veranstaltung nicht. Um den Umsatzverlust auszugleichen, wollte das Willkommensfest-Team gestern bei ihm einkehren. Hähne kündigte an, dass Alfa-Mitglieder vor der Tür Besucher über den Ausfall der Veranstaltung informieren.

Auch der Verein für Leibesübungen (VfL) Pinneberg erteilte Alfa eine Absage, nachdem die Partei das Bistro im Sportzentrum für Mittwoch, 25. November, gebucht hatte. Klaus-Dieter Brügmann, Kreissprecher der Linken, hatte den VfL um Kündigung der Reservierung gebeten. In einer E-Mail an den Geschäftsführer Uwe Hönke appellierte er an die Verantwortung der Sportler für die Integration von Flüchtlingen. Demgegenüber bezeichnete er Alfa als „rechtspopulistische und migrantenfeindliche Organisation“. Wolfgang Seibert, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pinneberg, unterstützte Brügmanns Vorstoß. „Gerade Sportvereine, die eine wichtige und gute Integrationsarbeit leisten, können eine solche Veranstaltung einer rassistischen, fremdenfeindlichen Gruppe nicht dulden“, schrieb er an Hönke. Der VfL-Vorstand beschloss daraufhin einstimmig, Alfa wieder auszuladen. Hönke berichtete, dass die Reservierung von Bistro-Mitarbeitern angenommen worden war, die Alfa nicht kannten. Die Partei wird nach Tangstedt ausweichen.

Hähne bekräftigte gegenüber den UeNa, dass seine Partei weder intolerant noch fremdenfeindlich sei. Eine Begründung für die Absagen habe er nicht erhalten.

Die Kampagne

Im Zuge der bundesweiten Kampagne „Wir stoppen Merkel“ will Alfa in Schleswig-Holstein innerhalb von vier Wochen an 32 Orten eine „Generalabrechnung mit der Kanzlerschaft Merkels von der Euro-Politik über die Energiewende bis hin zur aktuellen Migrationskrise“ präsentieren. So heißt es auf der Internet-Seite der Partei. Sie wolle die Migrationspolitik von Merkel stoppen. Im Kreis Pinneberg lädt Alfa für Mittwoch, 18. November, ab 19.30 Uhr nach Elmshorn in das Sportlife-Hotel, Hamburger Straße 205, und für Mittwoch, 25. November, nach Tangstedt in Sellhorns Gasthof, Dorfstaße 118, ein.

Schlagabtausch zwischen Alfa und der Linken

Eine kontroverse Auseinandersetzung ist zwischen der Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) und dem Kreisverband Pinneberg der Linken entbrannt. Nachdem der Linken-Kreissprecher Klaus-Dieter Brügmann den VfL-Pinneberg vor Alfa gewarnt hatte, warf die Partei ihm mangelndes Demokratieverständnis vor. „Offensichtlich ist es für die SED-Nachfolger nicht zu ertragen, dass die Bundeskanzlerin kritisiert wird. Honecker durfte man ja schließlich auch nicht kritisieren“, schreibt die Partei auf ihrer Internet-Seite. Demgegenüber weist Brügmann auf eine breite Ablehnung der Alfa-Kampagne hin. Der VfL-Vorstand habe die Veranstaltung einstimmig abgelehnt. In Wedel habe der TSV-Alterspräsident Günther Wilke als langjähriger Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), die Initiative ergriffen. Zudem unterstützt nicht nur die Jüdische Gemeinde Pinneberg die Absage an Alfa, sondern auch der Kreisverband Pinneberg der Grünen. Die Vorstandssprecherin Gertrud Borgmeyer teilte gestern mit: „Bei uns ist kein Platz für eine Gruppierung, die mit der Parole ,Merkel stoppen’ denjenigen ein Forum bietet, die Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass schüren.“ Es sei wichtig, dem rechten Rand keinen Raum zu geben.

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erstellt am 12.Nov.2015 | 18:29 Uhr

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