Elmshorner Speeldeel : Spaß mit Hausdrachen und Schuvkar

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Sie sei „den Düvel vunne Schuvkar fulln“, also dem Teufel von der Schubkarre gefallen, schimpft Jan Spin, der Knecht auf dem Herkens-Hof. Und damit meint er die Magd Taline, die mit ihm gemeinsam bereits so lange auf dem Bauernhof in der Nachkriegszeit schaltet und waltet, dass sie sogar dem jungen Bauern die Mutter ersetzt und die gesamte Viehwirtschaft in Schwung gehalten hat und demnächst mit Jan Spin gemeinsam ein hohes Arbeitsjubiläum feiert.

shz.de von
29. Oktober 2012, 20:50 Uhr

Das ist, ganz kurz erzählt, der Inhalt der plattdeutschen Komödie „Op Düvels Schuvkar“ von Karl Bunje, mit der die Elmshorner Speeldeel unter der Regie von Gerhard Richert jetzt im Schulzentrum Moorrege vor nahezu ausverkauftem Haus eine umjubelte Premiere hinlegte.

Denn natürlich läuft mit der Jubiläumsfeier nicht alles so glatt, wie sich die Beteiligten das gedacht hatten. Bauer Heiko Herkens, der eigentlich lieber mit seinem Knecht Jan schwarz Rüben-Schnaps brennt, als sich um sein Milchvieh zu kümmern, ist nicht nur ein ziemlich fauler Sack, er hat auch ein Auge auf die hübsche Polizistentochter Helga geworfen. Und die passt so gar nicht auf das bäuerliche Anwesen, „eher kriegt de Koter Farken, as datt Helga den Kohstall utmissen deit“. Doch jetzt kommt der Hausdrachen Taline ins Spiel, die wunderbare Charakterdarstellerin Karin Klawa hat ihr längst so viel biestige Borstigkeit verliehen, dass das Publikum ihr großes Herz darunter entdeckt hat. Taline schließt eine Wette ab: Wenn sie es in kürzester Zeit schafft, den gesamten Kuhstall blitzblank auszumisten und den Misthaufen quadratisch, praktisch und gut aufzuhäufeln, wird sie, die olle Magd, den jungen Hofbesitzer ehelichen. Wie diese Wette ausgeht, wird natürlich nicht verraten.

Aber wie glänzend Reinhard Glantz als tüffeliger Jungbauer auf der Bühne agiert, wie sympathisch und überzeugend Bruno Gradtke als Knecht Jan Spin in seiner mit großen Placken besetzten Kordhose rüberkommt und „Schandarm“ Fied Hillmers alias Christian Hinsch es mit der Bürokratie nicht allzu genau nimmt, das ist mehr als bemerkenswert. Natürlich haben die „Fruunslüd“ auch in diesem Stück die Puschen an. Außer dem heimlichen „Star“ des Abends, der köstlichen Karin Klawa, geben Speeldeel-Neuzugang Susanne Jung als leichtlebige Helga und das fleißige Flüchtlingsmädchen Marie, gespielt von Jutta Ennulat, nicht nur äußerlich ein spektakuläres Bild ab.

Eine einfache, aber bis in die Feinheiten eindrucksvolle Requisite runden die vergnügliche Regieleistung von Urgestein Gerd Richert ab.

Wer sich den plattdeutschen Spaß mit der Speeldeel nicht entgehen lassen möchte, hat gleich am Mittwoch, 31. Oktober, um 20 Uhr in der Uetersener Gaststätte „Zur Erholung“ Gelegenheit dazu. www.speeldeel.de

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