Inklusion am Ludwig-Meyn-Gymnasium : Soziale Verantwortung lernen

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Inklusion ist ein Begriff, der auch in der Pädagogik immer mehr Schule macht. Und das sprichwörtlich. Befürworter sagen, dass die inklusive Beschulung heterogener Gruppen die Wertschätzung und Anerkennung von Unterschiedlichkeit unterstreicht, unterstellend, dass es im Klassenverband das Recht auf unterschiedliche Lernziele gibt. Kritiker sagen, dass Inklusion keine Methodik darstellt, sondern vielmehr eine Ideologie.

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08. Juli 2015, 21:56 Uhr

Inklusives Beschulen ist inzwischen die Regel in Schleswig-Holstein. Kooperanten der Förderzentren (früher Sonderschulen) sind die Grund- und die Gemeinschaftsschulen. Aber auch an zwei Gymnasien (Uetersen und Itzehoe) wird derzeit inklusiv gedacht und auch gehandelt.

Ziel des Gymnasiums ist das Abitur. Das gilt auch unter inklusivem Denken. Dennoch hat am Ludwig-Meyn-Gymnasium vor einem Jahr ein Modellversuch begonnen, bei dem drei Kinder mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung in eine fünfte Klasse eingeschult worden sind. Sie nehmen dort am ganz normalen Unterrichtsgeschehen teil, wobei sie zusätzliche Aufmerksamkeit in der Kleingruppe erfahren. Zwei Lehrer sind daher grundsätzlich anwesend, wenn Mathematik, Deutsch, Religion oder Musik (beispielsweise) unterrichtet werden. Eine ausreichend personelle Ressource ist mit Voraussetzung, damit Inklusion (am Gymnasium) gelingen kann. Zudem eine hinreichende sächliche Ausstattung. Der Modellversuch macht neugierig. So konnte gestern eine Lehrergruppe der Paul-Dohrmann-Schule Elmshorn (dortiges Förderzentrum) am LMG begrüßt werden, die Gelegenheit erhielt, eine Mathematikstunde hospitierend zu begleiten. In Elmshorn soll es nun bald auch losgehen mit dem Versuch, Schüler mit besonderem Förderbedarf am Gymnasium zu integrieren. Worauf sollte geachtet werden? Was sind die Vorteile einer inklusiven Beschulung? Worin liegt der (gesellschaftliche) Nutzen begründet? Fragen, die während eines Vorgespräches und während des Unterrichtes herausgearbeitet wurden, beziehungsweise werden konnten. Die drei Schüler mit geistiger Behinderung fühlen sich inzwischen heimisch im Klassenverband und erhalten zudem eine entsprechende Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Die Fünftklässler zeigen eine erstaunliche soziale Kompetenz, die, so die dort unterrichtenden Gymnasial- und Förderschullehrer, sich stetig entwickelt hat.

Vorteil für die Gymnasiasten: Die von vornherein am Projekt interessierten Schüler verstärken ihr Interesse und lernen früh Kompetenzen kennen, die sie als spätere Leitungskräfte benötigen.

Die Inklusionskinder profitieren ebenfalls sichtbar von dem Klassenverband am Gymnasium, denn bei ihnen werden signifikant – soweit diese Aussage bei einer so kleinen Gruppe zulässig ist – bessere Lernfortschritte deutlich. Und: Sie fühlen sich integriert.

Die Hospitierenden erfuhren, dass für den Erfolg neben der sächlichen und personellen Ausstattung die Bereitschaft aller Akteure notwendig ist, sich auf das Neue einzulassen. Das ist zunächst die Schulleitung, weiter die Lehrkräfte, die Eltern und auch die Gymnasiasten selbst. Erst wenn diese Parameter gegeben sind, kann Inklusion am Gymnasium gelingen. Wie nach Ablauf der zweijährigen „Testphase“ verfahren wird, steht derzeit noch nicht fest.

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