Neujahrstreffen : So geht liberaler Optimismus

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„Die Hütte ist voll“, registrierte FDP-Kreisvorsitzender Günther Hildebrand den Erfolg der Einladung zum Neujahrsempfang der Kreis-Liberalen in das eher kühle Ambiente der Lagerhalle, in der das Restaurant „Campana“ einen besonderen Gäste-Ansturm bewältigt.

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27. Januar 2015, 21:58 Uhr

Ob die große Resonanz auf die drei Wochen vor der Hamburger Bürgerschaftswahl in letzter Entschlossenheit zusammengerückten Wähler oder auf die mit Spannung erwarteten Reden der Hamburger FDP-Hoffnungsträgerin Katja Suding und des eloquenten stellvertretenden FDP-Bundesparteivorsitzenden und Präsidiumsmitglied Wolfgang Kubicki zurückzuführen ist, wird ungeklärt bleiben.

Wenn es auch ein bisschen wie das Pfeifen im dunklen Walde klang, die FDP verbreitete Optimismus, lobte den nicht mehr defizitären Haushalt des Kreises seit der Amtsübernahme des Finanzausschussvorsitzenden Klaus Bremer und erledigte den üblichen Rundumschlag am politischen Gegner.

Katja Suding forderte die Fahrrinnenvertiefung der Unterelbe ein, sonst könne Hamburg im Wettbewerb nicht mehr mithalten, außerdem die Privatisierung der HHLA, der Hamburger Hafen und Logistik AG, die Teilnahme Hamburgs an Olympia und eine bessere Zusammenarbeit der Bundesländer in der norddeutschen Kernmetropole, bei der sie Schleswig-Holstein direkt und auf dessen größere vorhandene Flächen für Wirtschaftsansiedlungen ansprach. Zu letzterem schüttelte Landrat Oliver Stolz den Kopf und brummelte leise: „So viel Fläche haben wir nun auch wieder nicht.“

Ganz groß bewertete die Hamburgerin ein Ja zum Freihandelsabkommen TTIP, das würde den Handel in der Hansestadt fördern, auch wenn die vielen Gegner des Abkommens mit einer völlig falschen Ideologie dagegen votieren würden. Suding plädierte für qualifizierteres Personal in den Hamburger Kitas und eine Anhebung des Niveaus an den Gymnasien.

Olaf Scholz werde bei der Wahl die Mehrheit verlieren, prophezeite sie. „Wir wollen Koalitionspartner werden, denn sonst werden die Grünen den Koalitionsvertrag diktieren.“ Wolfgang Kubicki werde oft gefragt, so berichtete er, wie denn die Zukunft der FDP aussehe. „Die steht vor Ihnen“, könne er da nur antworten, sagte der selbstbewusste und als Talk-Show-Gast gefragte Politiker. Anders als SPD und Grüne betreue die FDP keine Menschen, sondern lasse sie ihr Leben selbst gestalten. Und das beginne schon im Kindesalter.

Als Beispiel bezeichnete er die von der Landesregierung geforderten Berichtszeugnisse als „absurde Debatte über Notenabschaffung“. Sie seien Versatzstücke aus dem Computer, 90 Prozent der Eltern wollen das nicht, so Kubicki. Leistung solle sich wieder lohnen, auch Kinder wollen den Wettbewerb und nur mit Noten könne die Bildung eine Bestenauslese herausarbeiten.

Der Chefvordenker der Liberalen machte sich über den Verbraucherschutz lustig, der Weichmacher in Dildos verbieten wolle, ja selbst „Bäume mit Migrationshintergrund“ verteufele, der beim Mülltrennen die Freiheit einschränke und über Grüne, die die Sanierung von Straßen verhindern und den Ausbau der A 20 sowie ein Tempolimit wegen einer Fledermausansiedlung. Denen, so Kubicki, sei es egal, ob sie bei Tempo 200 oder Tempo 60 im Kühlergrill hängen bleiben.

Durchaus ernst nahm Kubicki das Flüchtlingsthema und die Auseinandersetzung mit Pegida-Demonstrationen. „Ich unterhalte mich nicht mit den Organisatoren, aber den Demonstranten, die gilt es nicht auszugrenzen, sondern mit ihnen in einen Dialog zu kommen.“

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