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Uetersener Nachrichten

20. November 2017 | 14:59 Uhr

Singen in Gedenken an Martin Luther

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Klosterkirche Musikalische Andacht zeitgleich in vielen Kirchengemeinden im Norden / Werdegang des Reformators nachgezeichnet

In Anlehnung an das Reformationsjahr 1517 begann um 15.17 Uhr in der Klosterkirche eine musikalische Andacht zum Thema „Luther als Musiker – Die Bedeutung des Singens“. Die Gemeinde am Kloster nahm zeitgleich mit weiteren 40 Kirchengemeinden teil, denn die Initiative kam von der Kirchenmusikdirektion der Nordkirche.

„In mehr als 40 Gemeinden läuten in diesem Augenblick die Glocken“, so die Leiterin und Kantorin Christiane Haar. Die Landeskirchenmusikdirektoren Frank Dittmer und Hans-Jürgen Wulf hatten für den ganzen Norden eine musikalische Luther-Andacht vorbereitet, angereichert durch die Ideen der Organisatoren vor Ort. Die Andacht fiel auf den Sonntag, der im Kirchenjahr „Kantate“, übersetzt: „Singet“, genannt wird.

„Gemeinsam singen wir an all diesen Orten mit Herz und Mund“, so Prädikantin Renate Paelchen in ihrer Ansprache an die Teilnehmer. Kirchenmusikerin Haar ließ die große und die kleine Kirchenorgel erklingen, und die Gemeinde sang das Kantate-Lied von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1653 sowie „Nun freut euch, liebe Christen g’mein“. Sowohl Text als auch Musik des letztgenannten Stücks stammen von Martin Luther selbst, geschrieben hat er es 1523. Auch das Luther-Lied „Die beste Zeit im Jahr ist mein, da singen alle Vögelein“ wurde angestimmt. „Luther zeigt sich hier als Textdichter, an dem Lied kann man sehr schön sehen, was Musik für Luther bedeutete“, so Andachtsleiterin Haar. „Ich liebe die Musik, sie ist ein Geschenk Gottes“, habe der Reformator einst gesagt. Und: „Wer glaubt, der kann es nicht lassen, davon zu singen.“ Paelchen und Friedemann Albers trugen gemeinsam den Psalm 98 vor, in dem die Menschen aufgefordert werden, dem Herrn zu singen und zu loben.


Luther erhielt Musikunterricht


In ihrer Predigt zeichnete Haar Luthers Werdegang als Kirchenmusiker nach. Dieser habe als Ministrant gedient und einen wunderschönen Knabensopran gehabt. Ab 1497 erhielt der junge Luther in Eisenach Musikunterricht und war Mitglied im Schülerchor. Von 1501 bis 1505 studierte er in Erfurt neben Theologie auch Musik. Später, in Wittenberg, führte er deutschsprachige Kirchenlieder ein. „Der Gesang war die Waffe der Reformation, 36 Lieder aus der eigenen Feder Luthers sind überliefert“, so Haar. Dabei habe der Kirchenmann den pädagogischen Wert der Musik erkannt.

Haar ging zudem auf die Bedeutung des Singens als Kulturgut ein: „Der Gesang ist das einzige Instrument, das in unserem Körper wohnt. Das Singen ist ganz eng mit unserer Seele verbunden.“ Gefühle wie Trauer, Angst, Verzweiflung und Wut, aber auch Hoffnung, Trost, Humor, Glück, Glaube und Liebe, sie alle ließen sich singend ausdrücken. Sie fügte ihrer Predigt eine persönliche Komponente hinzu, indem sie erzählte, was das Singen für ihr Leben bedeutet. „Die Kinderchorerinnerungen gehören zu den schönsten Erinnerungen meiner Kindheit“, so die heutige Leiterin der Klosterspatzen, -finken und -lerchen. Nach der Konfirmation trat sie der Kantorei bei. „Der Chorleiter war der große Stern meiner Kindheit und Jugend“, so Haar, und so fasste sie schließlich den Entschluss, selbst Kirchenmusikerin zu werden.


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