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Freisprechung Maler + Lackierer : Sind junge Menschen Mimosen?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ist die Jugend verweichlicht? Fehlt ihnen die Fähigkeit, Kritik zu ertragen? Oder lassen sich junge Menschen einfach nicht mehr so viel gefallen? In vielen Handwerksbetrieben herrscht zuweilen ein rauer Ton. Klare Worte des Meisters dulden keinen Widerspruch. Nun ist es nicht mehr ganz so schlimm wie im Mittelalter, als die Lehrlinge quasi Leibeigene des Chefs waren und dafür sogar noch bezahlen durften (Lehrgeld) wie Thomas Dohrn, Obermeister der Malerinnung im Kreis Pinneberg, am Freitag im Parkhotel Rosarium sagte. Anlässlich der Freisprechungsfeier von 19 Lehrlingen im Maler- und Lackiererhandwerk.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2015 | 18:07 Uhr

Doch offensichtlich akzeptieren viele junge Leute den Ton des Meisters und zuweilen auch der Gesellen nicht, wenn dieser schärfer wird. Wer ihnen die Würde nimmt, ist für sie gestorben. Die Konsequenzen werden ausgeblendet. In der Regel sind es die Tugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft, die von der Lehrwerkstatt verlangt werden. Doch ganz offensichtlich fühlen sich etliche Lehrlinge bereits im ersten Ausbildungsjahr so stark diskriminiert, dass sie den Lehrvertrag kündigen und der Werkstatt den Rücken zudrehen.

60 Prozent (!) der Lehrlinge im Maler- und Lackiererhandwerk, die im Kreis Pinneberg vor drei Jahren mit ihrer Ausbildung begonnen haben, brachen diese zwischenzeitlich ab. Schulische Gründe liegen eher nicht vor, wird auf Nachfrage gerne bestätigt. Vielmehr sei es wohl tatsächlich der Ton, der zum Abbrechen der Lehre führe.

Auch wenn die Kritik gerechtfertigt sein sollte – das Nachsehen hat zunächst einmal die Lehrwerkstatt, der der Nachwuchs ausgeht. Das Handwerk wird sich damit wohl auseinandersetzen müssen.

Die jungen Menschen (die besten Prüfungsergebnisse erzielten wieder einmal die Frauen), die sich am Freitag in ihren feinen Zwirn geworfen hatten, störte das nicht. Sie haben durchgehalten und stehen nun bereit, um zu zeigen, was sie alles können.

Dass sie eine Menge drauf haben, wurde ihnen nicht nur vom Obermeister bestätigt. Auch Lehrerin Gisela Stick-Tesch zollte den Absolventen, die ihre Gesellenbriefe erhielten, Respekt und Anerkennung. Sie sprach von tollen Ergebnissen.

Dass das Lernen aber nimmer aufhöre, schärfte den Erfolgreichen so mancher Redner des Nachmittages ebenfalls ein. Nach dem Motto: Die erste Hürde habt ihr geschafft, aber die Treppe des Lebens kennt noch viele weitere Stufen. Für Heiterkeit sorgte „Maurer Marten“ (luedemann-theater.de), der sowohl die Worte des Nordens als auch den Humor des Landes liebt und zelebrieren kann. Die Feier ging mit einem Essen zu Ende.

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