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Uetersener Nachrichten

20. August 2017 | 08:26 Uhr

Interkulturell : Sie übersetzen die Predigt

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Uetersener Kirchen sind zu Anlaufstellen für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten geworden. In der Christuskirche werden die Gottesdienste auf Persisch übersetzt – mit Hilfe von Skype, einem Programm zum Telefonieren über das Internet. Ende 2013 tauchte zum ersten Mal ein Christ aus dem Iran in der Gemeinde auf und suchte Kontakt. Damit er den Gottesdienst verfolgen kann, setzten sich Gemeindeglieder abwechselnd neben ihn und flüsterten ihm eine Übersetzung auf Englisch zu. Diese Sprache versteht er sehr gut.

Doch inzwischen besuchen bis zu acht Iraner die Gottesdienste. Nicht alle verstehen Englisch gut. Die Mitglieder probierten daher verschiedene Wege aus, um die Ausländer am Gottesdienst teilhaben zu lassen. Zunächst flüsterte ein Deutscher dem Englisch sprechenden Iraner eine Übersetzung ins Ohr, der wiederum das Gehörte für seine Landsleute ins Persische übertrug. „Dabei werden zwar nur Sinnabschnitte übersetzt, das ist aber besser, als wenn die Iraner nichts verstehen“, sagt Pastor Frank Penno. Er händigt den Übersetzern zudem eine Predigtzusammenfassung aus.

Doch tauchte noch ein akustisches Problem auf. Der iranische Übersetzer musste sehr laut flüstern, damit sieben Landsleute ihn gleichzeitig verstehen. Für die übrigen Besucher entstand eine störende Geräuschkulisse.

Die Christuskirche entwickelte daher dieses Verfahren: Ein Internet-Modem strahlt sonntagsmorgens im Gottesdienstraum ein passwortgeschütztes W-LAN-Signal aus. Die Flüchtlinge sitzen zwischen den anderen Besuchern, wählen sich mit ihren Smartphones in das W-LAN-Netz ein, schließen Kopfhörer an ihre Telefone an und starten die Skype-App. Die Übersetzer stehen im Foyer. Dort können sie den Prediger durch eine Glasscheibe sehen und über Lautsprecher hören. Sie wählen sich mit einem Laptop in das W-LAN-Netz ein und starten in Skype einen sogenannten Gruppenanruf an die Gäste aus dem Ausland. Der Deutsche flüstert dem Iraner eine englische Übersetzung zu, der seine Landsleute per Skype auf Persisch anspricht.

Die Gottesdienstbesucher sind zufrieden: „Die Deutschen werden nicht durch die Übersetzung gestört. Die Iraner fühlen sich integriert“, sagt Gemeindeleiterin Hannelore Eberley. Zudem kostet diese Lösung weniger als ein Anlage mit Funkkopfhörern.

Übrigens beschränken die Übersetzer ihren Einsatz auf die Predigt. „Ich liebe die Lieder.

Beim Singen will ich zwischen den anderen sitzen“, so der iranischer Übersetzer.

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erstellt am 24.Sep.2014 | 18:36 Uhr

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