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Theaterprojekt : Sie spielen gegen die Straßengewalt

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es ist ihre Geschichte, nicht ein fiktives Schauspiel. Die verwaisten Geschwister Margarita und Omar Fernandez aus Bolivien touren zurzeit mit einem außergewöhnlichen Bühnenprogramm durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 21:47 Uhr

An mehr als 70 Orten setzen sie und ihre Heimeltern Guisela und Stefan Gurtner das Schicksal bolivianischer Kinder und deren Vorfahren in Szene – bedrückend, ausdrucksstark, kreativ. In dem Uetersener Ludwig-Meyn-Gymnasium sahen etwa 35 Besucher der Gruppe „Ojo morado („Blaues Auge“) zu – mehr als an den meisten Orten. Gurtner las Passagen aus seinen Büchern über Bolivien vor, während seine Frau und die Geschwister das Erzählte spielten. Die Besucher saßen mitten im Geschehen. Zwischen den gegenüberliegenden Zuschauerblöcken fochten die Darsteller den blutigen Kampf der Spanier gegen die Inka aus. Vor den Füßen der Gäste suchten sie in der Rolle von Straßenkindern unter aufgerissenen Säcken Schutz vor einem prügelnden Polizisten. Gurtner zeigte Videofilme, in denen seine Darsteller etwa als Benzin schnüffelnde Junkies durch die Nacht irren.

Dass Margarita (22) und Omar Fernandez (18) nach dem Tod ihrer Eltern vor sieben Jahren nicht auf der Straße landeten, haben sie Gurtner zu verdanken. Inspiriert von einem Jesuiten-Projekt gründete der Schweizer Katholik vor 24 Jahren die Wohngemeinschaft „Tres Soles“ („Drei Sonnen“), die heute in einem Vorort von Cochabamba, der viertgrößten Stadt Boliviens, 55 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Herberge bietet. Zusammen mit seiner Frau, fünf qualifizierten Mitarbeitern und deutschen Freiwilligen will er sie zu einem selbstbestimmten Leben führen. Der deutsche Stützpunkt des Spenden finanzierten Projekts ist die katholische Kirche St. Konrad in Mannheim. Die Uetersenerin Angelika Reß arbeitete im Heim mit und lud die Gruppe ein.

Gurtners gewaltlose Erziehung stößt in der Stadt auf Unverständnis. Von vielen anderen Projekten unterscheidet ihn der Ansatz, dass die Kinder mit Theater, Musik und Kunst ihren Zustand aufarbeiten sollen.

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