zur Navigation springen

Findelkind : „Sie soll Emily heißen“ – kleines Mädchen ist gesund

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es war 2.15 Uhr am Donnerstagmorgen, als der Alarm schrillte. Die diensthabende Hebamme eilte hinunter zur Babyklappe und nahm ein kleines Mädchen, bekleidet mit Strampler und in eine Decke gewickelt, aus dem gewärmten Bettchen. Bei ihr lag ein Zettel: „Sie soll Emily heißen und ist kurz nach Mitternacht geboren.“

shz.de von
erstellt am 22.Nov.2011 | 20:40 Uhr

Emily ist das erste Baby, das seit Einführung der Babyklappe vor fünf Jahren am Regio Klinikum Pinneberg abgegeben wurde. Gleich nach Auffinden des Babys wurde Emily von einer Kinderärztin untersucht. „Sie war in einem guten Zustand, zwar ein wenig unterkühlt, aber das ist bei diesen Temperaturen nicht ungewöhnlich“, erzählt Bettina Moser, leitende Oberärztin der Kinderklinik in Pinneberg. Nach der Untersuchung kam Emily in ein Wärmebettchen. Das kleine Mädchen wog 3460 Gramm bei einer Größe von 51,5 cm. „Sie ist sozusagen das perfekte Baby“, sagt Bettina Moser.

Bereits am nächsten Tag wurde das Jugendamt informiert, das am Freitag für die Unterbringung in einer Pflegefamilie sorgte.

Nun soll Emily so schnell wie möglich eine neue Familie bekommen. Erste Kontakte sind bereits geknüpft, wie Cornelia Lohmann-Niemann, Fachdienstleiterin Jugend und soziale Dienste beim Kreis Pinneberg, berichtete. „Wir hoffen natürlich, dass sich die leibliche Mutter meldet. Sie hat nun acht Wochen Zeit, ihre Entscheidung zu überdenken. Natürlich würde sie von uns alle Unterstützung bekommen, die sie benötigt.“

Auch die Klinik ist vorbereitet, sollte sich die leibliche Mutter in den kommenden Tagen melden. „Wir haben Fotos von Emily gemacht und einen Fußabdruck aus Gips. Beides halten wir für die Mutter bereit“, sagt Bettina Moser und ergänzt: „Emilys Mama kann sich natürlich bei uns melden. Wir würden dann auch, sofern es gewünscht ist, den Kontakt zum Jugendamt herstellen und die Mutter medizinisch versorgen.“ Appellieren möchte sie an Emilys Mama jedoch nicht: „Sie ist sicherlich in einer schwierigen Situation und hat diesen Ausweg für sich sehr bewusst gewählt.“

Sollte sich die Mutter nicht melden, ist der Weg hin zu einer Adoption aber noch lang. Das Verfahren, das beim Familiengericht eingeleitet werden wird, dauert mindestens ein Jahr. „Die infrage kommenden Adoptiveltern werden natürlich auch mit der Möglichkeit konfrontiert, dass sich die leibliche Mutter wieder meldet“, so Jörg Steinbrenner, der als Fachbereichsleiter für Soziales und Jugend beim Kreis Pinneberg die Fäden in der Hand hält.

Die Einrichtung einer Babyklappe im Kreis Pinneberg war umstritten. So wies der Fachdienst Jugend im Jahre 2005 darauf hin, dass man dem Kind sein Grundrecht auf Kenntnis seiner Wurzeln nehmen würde, da die Abgabe anonym erfolge. Der Säugling hätte so auch in späteren Jahren keine Möglichkeit, seine wahre Herkunft zu erfahren. „Man kann immer noch darüber streiten, ob die Entscheidung eine richtige oder falsche war, aber Fakt ist, dass wir mit dieser Möglichkeit schon einem Kind möglicherweise das Leben gerettet haben“, gab Thorsten Wygold zu bedenken und fuhr fort: „Die Babyklappe ist kein Schutz für alle Kinder, aber sie ist ein Angebot für Frauen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden.“

Strafrechtlich muss Emilys leibliche Mutter keine Konsequenzen befürchten, da es sich um keine Kindesaussetzung im eigentlichen Sinne handelt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert