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Ambitioniert : Sie morden für ‘ne warme Mahlzeit

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Für einen Doppelmord unter Freunden verzichteten Frank und Uwe Schaefer gern auf drei Tageseinnahmen. Ihr Café in Tornesch für diesen Akt Fremden zu überlassen, stellte für die Wirte kein Drama dar. Für Tobias Mansfeld sollte es aber eines werden. Dauer: nicht mehr als 40 Minuten, Arbeitstitel: „Brothers“. „Wir möchten etwas qualitativ Hochwertiges herausbringen, das aus der Kurzfilm-Szene heraussticht“, sagte der 43-Jährige am Rand seines erstens Filmsets. Drei Tage lang drehte der Tornescher zusammen mit etwa 20 Darstellern, Co-Autor Simon Schmidt, Produktionsleiter Daniel Rittmeyer, Kameramann Arne Nissen, einer Visagistin und anderen im Café Monroe's an der Friedrichstraße.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 19:44 Uhr

Kantige Typen und schöne Frauen pokerten, schoben sich Silbertabletts mit Linien aus weißem Traubenzucker zu, hoben Schnapsgläser voller Tee und ereiferten sich vor Kabelgewirr und Monitoren, unter Scheinwerferlicht und Mansfelds aufmerksamem Blick. Die Crew hatte er im Bekanntenkreis und bei Facebook gefunden.

In die Rolle des Regisseurs und Drehbuchautors schlüpft Mansfeld nur nach Feierabend. Das vierstellige Budget („und die erste Ziffer ist keine Eins“) verdient er sich mit seiner Computerfirma in Hamburg. Gagen zahlt er nicht. Auch die professionellen Schauspieler Tyron Watzinger, Sebastian Bredow, Ramann Pawa und Sarah Tusk strauchelten und mordeten vor der Kamera rein für den Spaß und die warmen Mahlzeiten, die der Regisseur ihnen mit Liebe zubereitete.

Ein Jahr lang schrieben er und sein Kumpel Simon Schmidt aus Hamburg das Drehbuch. Die Geschichte stellt den Wert wahrer Freundschaft infrage: „Sammy“ (Raman Pawa), „Simon“ (Sebastian Bredow) und „Cloe“ (Sarah Tusk) wachsen in einfachen Verhältnissen auf, in denen sie sich gegenseitig Halt geben. Doch „Sammys“ Karriere als Drogendealer stellt die Freunde auf eine harte Probe, die sie teils nicht bestehen, teils nicht überleben. „Es wird sehr dramatisch und blutig“, kündigte Mansfeld grinsend an.

Die Dramen William Shakespeares und des US-amerikanischen Regisseurs Quentin Tarantino inspirieren ihn. „Sie zeigen, wie weit zu gehen Menschen bereit sind“, erläuterte der Kino-Enthusiast. Eigene Erfahrungen arbeite er mit dem Film nicht auf, der ihm aber erfreuliche Begegnungen bescherte. „Ich habe in Tornesch so viele offene Leute getroffen“, berichtete Mansfeld. Eine Szene spielt zum Beispiel in der Halle der Baumschule Sander. „Vielleicht wird Tornesch nochmal das kleine Hollywood“, prophezeite der Hobby-Regisseur. Persönlich träumt er davon, einmal einen 90-Minuten-Western zu drehen.

Die Premiere von „Brothers“ will Mansfeld noch vor Weihnachten im Burg-Kino feiern. Die After-Show-Party soll natürlich im Café Monroe’s steigen.

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