Mordprozess : „Sie hat doch noch gelebt“

Im Mordprozess um die getötete Rentnerin Minna R. aus Elmshorn, die am frühen Morgen des Ostermontags in ihrer Wohnung überfallen und ermordet wurde, hat sich der Angeklagte Yasin T. am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen geäußert und sich bei den Familienangehörigen von Minna R. entschuldigt. „Ich finde es schrecklich, dass ihre Mutter tot ist. Ich kann mir nicht erklären, wie es passiert ist. Sie hat doch noch gelebt.“ Demnach will Yasin T. unter massivem Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden haben, was der Zeuge Patrick K., ein Freund und Arbeitskollege des Angeklagten bestätigte.

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17. Januar 2012, 21:22 Uhr

Yasin T. und Patrick K. hatten sich am Abend des Ostersonntags getroffen, um gemeinsam Kokain und Alkohol zu konsumieren. Etwas, was sie immer taten, wenn es zu einem Treffen kam. Wer wen an die Drogen brachte, liegt im Dunkeln, da sich Zeuge und Angeklagter gegenseitig beschuldigten. Yasin T. gab an, unter Depressionen gelitten zu haben, hinzu kamen private Probleme mit seiner Verlobten Izabela, mit der er auch ein gemeinsames Kind hat. Diese soll ihn Ende 2010 betrogen haben, was in ihm Erinnerungen an seine Kindheit weckte, denn auch sein Vater hatte seine Mutter wegen einer anderen Frau verlassen. Seit Februar 2011 will er immer mehr Drogen zu sich genommen haben, was seine Verlobte, die mit ihm seit über zwei Jahren in einer gemeinsamen Wohnung lebte, aber nicht mitbekommen haben will. „Er war so wie immer“, sagte sie.

Yasin T. gab zu, die Rentnerin Minna R. geschlagen zu haben, allerdings soll sie noch gelebt haben, als er die Wohnung verließ. Davon, die Wohnung anzuzünden, nahm er Abstand, weil er Angst hatte, Minna R. würde dabei sterben. Die Beute von 1100 Euro habe er gebraucht, um Schulden zu bezahlen, auch bei seiner Verlobten, die davon aber nichts wissen will. Das Geld ist verschwunden.

Die Verteidiger von Yasin T. versuchten, der Rentnerin eine Mitschuld an der Tat zuzusprechen, immerhin habe sie die Terrassentür nicht geschlossen gehabt. Auch mit den Nachbarn soll es Streit gegeben haben, was diese aber nur bedingt bestätigen konnten. „Wir hatten unterschiedliche Auffassungen, haben das aber im persönlichen Gespräch geklärt, sagte einer von ihnen.

Franziska Hammer, Rechtsanwältin der Tochter der Getöteten, wies die Entschuldigung von Yasin T. als nicht befriedigend zurück. Nächster Verhandlungstag: 24. Januar.

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