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SHMF: Musik-Kabarettist Bodo Wartke begeistert in der Alten Reithalle Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Schon sein Auftritt auf der Bühne der Alten Reithalle in Elmshorn lässt Schwiegermütter-Herzen vor Begehrlichkeit erzittern: Das ist doch der Richtige, blaugrauer, feiner Anzug, darunter ein schneeweißes Hemd mit gestärktem Kragen. Bodo Wartke hat ein energisches Kinn, ein breites Lächeln und zelebriert eine perfekte Verbeugung vor dem Publikum, das die Reithalle bis auf den letzten Platz füllt.

Doch Vorsicht, der Mann ist bissig. Nicht verletzend, aber mit Worten. Mit denen jongliert der Musik-Kabarettist mal gesungen, mal gesprochen und erzählt über Probleme, männliche natürlich und genau darüber können die Damen von zehn bis 85 Jahre alt, sich ausschütten vor Lachen, die männlichen Zuhörer stimmen fröhlich zu, sie erkennen sich und das, was sie ab und an bewegt, durchaus wieder.

Und so nimmt er beim zweiten Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Elmshorn alles auf die musikalische Schippe, was ihm unter die vielseitig begabte künstlerische Haut geht. Dabei fesselt er sein Publikum, bindet es ein, lässt es mitsingen und teilhaben an blöden Werbeslogans, verwurstet ganz frech Mozarts Zauberflöten-Arie vom Vogelfänger mit all möglichen Vogel-Volksliedern und ermordet schließlich die gesamte Vogelsippe einfach durch die Vogelgrippe, weil sich das so schön reimt. Noch einmal ein Seitenhieb auf doofe Werbung mit dazu noch einem demotiviertem Kinderchor: „Viele kamen schon zu Tode – im Vogelpark Walsrode“ Das letzte singen alle mit, die leierige Werbe-strophe kennt jeder und jede.

Köstlich, wie der Künstler die Unterschiede zwischen E- und U-Musik erklärt und die darauf anfallenden GEMA-Gebühren.

Auf U-Musik fallen mehr Gebühren an, sie werde öfter im Radio und Fernsehen gespielt, E-Musik bereite weniger Spaß, sei schwer verständlich und bei atonaler Musik sogar gruselig, werde also weniger gespielt und daher für den Künstler einträglicher, also nicht so teuer. Seine Musik falle unter das Unterhaltungs-Musikprogramm, werde überhaupt nicht im Radio gespielt und sei trotzdem teuer, so Bodo Wartke und demonstrierte das Ganze mit Boxhandschuhen und Mundschutz.

Nicht nur den Flügel versteht der Musik-Kabarettist mit Klassik, Boogie und Swing zum Glänzen zu bringen, er kramte auch die Mundharmonika, die Ukulele und die Cachon aus seinen Bühnenassesoires hervor und zeigte, dass er sie neben seinem besten Instrument, der Stimme, hervorragend beherrschte. Ganz nebenbei ist er auch noch Schauspieler, stirbt nach einem Zombie-Angriff, spritz, stöhn, platz, einen eindrucksvollen Bühnentod. Aber er kann auch leise, schöne Balladen über die verlockenden Gerüche einer Frau, die Schwester Christine, die er ganz früh verlor, Lieder, die lange nachklingen. Der Kavalier mit den „Klaviersdelikten“ war im Rahmen des neuen Schleswig-Holstein Musik-Festivals mehr als willkommen. Der muss wieder dabei sein und ist als echter Schleswig-Holsteiner ein absolutes Muss.

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erstellt am 04.Aug.2014 | 21:30 Uhr

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