Mangelware : Senioren droht Wohn-Abstieg

Wissenschaftler warnen vor den Folgen einer verpassten Baupolitik im Kreis Pinneberg. Eine Studie des niedersächsischen Pestel-Instituts kommt zu dem Schluss, dass in den kommenden Jahren mehr als 9000 seniorengerechte Wohnungen fehlen. IG Bau und Sozialverband VdK fordern deshalb von der Politik eine Kehrtwende, um einen drohenden sozialen Wohn-Abstieg von Rentnern zu verhindern.

shz.de von
05. Juni 2014, 19:37 Uhr

Laut der Studie „Wohnen 65plus“ wird sich die Zahl der über 65-Jährigen im Kreis Pinneberg bis 2035 um 41 Prozent auf dann mehr als 90000 erhöhen. Experten gehen davon aus, dass mindestens 150 Milionen Euro in den kommenden Jahren in den Wohnungsmarkt investiert werden müssen, um den Bedarf an entsprechendem Wohnraum zu decken und Senioren zu ermöglichen, auch im Falle von Pflegebedürftigkeit in ihren vier Wänden zu bleiben.

„Es kann nicht sein, dass ein älterer Mensch nur deshalb ins Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert“, sagte der Bezirkschef der IG Bau Holstein, Uwe Hahn. Allerdings ist er sich sicher: Ohne staatlichen Anreiz wird wenig passieren. „Und dann droht eine graue Wohnungsnot“, sagte Hahn.

Auch der Sozialverband VdK weist darauf hin, dass der Wohnungsmarkt im Kreis Pinneberg derzeit nicht auf die steigende Zahl älterer Menschen vorbereitet ist. Es fehle nicht nur an barrierefreiem Wohnraum, sondern an kleinen Wohneinheiten, heißt es in einer Stellungnahme.

Pestel-Studienleiter Matthias Günther (kleines Foto: cel) sieht noch ein weiteres Problem. „Mit der starken Zunahme Älterer wird auch die Zahl Pflegebedürftiger rasant wachsen“, sagte er. Eine Explosion der Pflegekosten könne unter anderem dadurch verhindert werden, wenn Senioren zu Hause betreut werden könnten.

IG Bau-Bezirkschef Hahn setzt auf die Hilfe aller Kreis Pinneberger Bundestagsabgeordneten. „Wir brauchen im Kreis Pinneberg den Bau neuer Seniorenwohnungen, aber auch eine seniorengerechte Sanierung von Altbauten“, sagte er und forderte ein Programm „Altersgerecht Umbauen“.

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