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Oper „Dido und Aeneas“ : Sein Pflichtgefühl bricht ihr das Herz

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Man versteht in einer Oper ja kein Wort. Wer ist „Dido“ und was will sie von „Aeneas“?

shz.de von
erstellt am 28.Sep.2014 | 22:13 Uhr

Die Antwort mussten die Besucher einer Aufführung der Oper „Dido und Aeneas“ des Briten Henry Purcell am Sonnabend in der Klaus-Groth-Schule Tornesch aus dem Textheft entnehmen. Der englischsprachige Gesang der ausgebildeten Stimmen allein reichte kaum aus, um den rund 230 Besuchern die Geschichte um den trojanischen Helden „Aeneas“ näherzubringen. Er entscheidet sich übrigens im Zwiespalt zwischen seiner Berufung und einer Frau, der Königin „Dido“, für Erstere und bricht der Dame damit das Herz; ein Problem, von dem auch moderne Paare ein Liedchen singen können, nur nicht so schön.

Wenn Kunst aber den Betrachter aus seiner Gewohnheit herausreißen und inspirieren will, dann war die Oper in der Aula Kunst. Die Leiter des ambitionierten Projekts, vier Dozenten der Kreismusikschule Segeberg (KMS), brachten in die robust geflieste Mehrzweckhalle des kleinstädtischen Tornesch alles mit, was es dort normalerweise nicht gibt: Es musizierte ein etwa 50-köpfiges Orchester mit vier Harfenspielern, zwei Cembali, Oboen, Fagotten und Blockflöten in den Tonlagen Sopranino bis Subbass. Es traten Sänger in farbenprächtigen Gewändern mit ausgebildeten Stimmen auf. Ein Schwarm junger Hexen hüpfte und johlte. Die Stimmen ihrer Anführerinnen klangen ebenso schön wie die der Königin „Dido“ (Anna Philipp) und ihres Helden „Aeneas“ (Uwe Oswald). Wer sonnabendabends normalerweise nicht in den Opernhäusern dieser Welt sitzt, konnte und musste sich umhören. Die Vielzahl an Zuhörern zog das Projekt aber sicherlich auch dadurch an, dass nicht eingeflogene Profis diese hohe Kunst vorführten. Stattdessen standen auf der Bühne Nachbarn und Freunde: ein Chor aus rund 30 Mitgliedern der „E-Singer“. Deren Leiterin Katja Krüger, die an der KMS unterrichtet, spielte eine Zauberin. Das Orchester bestand aus KMS-Schülern, der jüngste erst neun Jahre alt. Ihre Lehrer hatten die Hauptrollen übernommen.

Für Hartmut Ledeboer, der dirigierte und Cembalo spielte, ist das Projekt ein Höhepunkt in der Geschichte der Musikschule. „Das ist alles andere als alltäglich“, sagte er. Im Mittelpunkt der Aufführung stand nicht die Geschichte, sondern das Wagnis, dass ganz normale Menschen eine Oper aus dem 17. Jahrhundert inszenieren und damit ganz normalen Zuhörern einen ungewohnten Kunstgenuss bieten. Das ist gelungen.

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