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Haseldorfer Kirchenmusik : Schwere, aber großartige Kost

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Kirchenmusiker Jörg Dehmel liebt leichte Kost, wenn es um Kulinarisches geht, und zwar mit sichtbarem Erfolg. Wenn allerdings Musikalisches ansteht, bevorzugt er Schweres, Anspruchsvolles. Und das bereits seit zehn Jahren, die er im Dienste des Fördervereins Haseldorfer Kirchenmusik steht.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2012 | 21:32 Uhr

Genau zu diesem Geburtstag bot der Kantor jetzt gemeinsam mit dem von ihm geleiteten Chor „Cantate“ Appen-Moorrege, drei Solisten, bestehend aus den Sopranistinnen Veronika Haker und Johanna Mohr, Kerrin Brinkmann (Alt), Fridjof Schulze-Falke, Tenor, und seinem Ensemble aus historischen Instrumenten und natürlich seiner Leitung und seinem unvermeidlichen grünen Cembalo ein ausgesprochen selten gespieltes Oratorium „Juditha triumphans“ von Antonio Vivaldi in der Haseldorfer Kirche St. Gabriel.

„Das hat er gleich zu Beginn als allererstes schon einmal einstudiert“, so Pastor Dr. Helmut Nagel, der seinen Kirchenmusiker als absoluten Spezialisten der Barockmusik ganz hoch schätzt. „Dehmel mag das gar nicht, wenn man ihn so in den Mittelpunkt stellt“, sagte der Marsch-Pastor vor Beginn des Oratoriums, doch danach musste der so Gelobte viele Hände schütteln.

Denn nahezu alle Besucher, die trotz der Kälte in die Haseldorfer Kirche zum abendlichen Konzert gekommen waren, honorierten die großartige Leistung, die Dehmel mit liebevoller Vorbereitung und Ausführung hier präsentiert hatte.

Zwar entspricht die Geschichte, die Vivaldi mit dem „Triumph der Juditha“ erzählt, so ganz und gar nicht aktueller politischer Korrektheit und auch die christliche Kirche mag die Story von Juditha, die um einen Überfall auf ihren Heimatort zu verhindern, in das Lager des anrückenden Feindes geht, den obersten Heerführer bezirzt, um ihm dann nach einem schwelgerischen Nachtmahl den Kopf abzuschlagen. Anlass für diese Gruselgeschichte waren Siege der Venezianer gegen die Türken im Jahr 1716.

Der Reiz der Musik liegt vor allem in der Gleichwertigkeit der wirklich schön gespielten Instrumente. Besonders herausragend hier Britta Hinrichs mit ihrer Barock-oboe und den Stimmen, Veronika Haker sehr einfühlsam als Juditha, Kerrin Brinkmann mit warmer Altstimme als Holofernes und eine sonnige Johanna Mohr als Dienerin Abra sowie Fridjof Schulz-Falke mit einer wohltönenden, aber etwas durchsetzungsschwachen Tenorstimme als Vagaus.

Alles in allem: Stimmen, die sicherlich gerne in Haseldorf wieder gehört werden und eine enorme Leistung des so engagierten Chores „Cantate“.

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