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Uetersener Nachrichten

13. Dezember 2017 | 01:32 Uhr

Vorstoß : Schutz für die Schützlinge

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Kreis Pinneberg hat gestern ein bundesweit nahezu einzigartiges Schutzkonzept für Jungen und Mädchen in ihren Kindertagesstätten vorgestellt. Ziele sind eine Stärkung des Kindes, Offenheit im Umgang mit einem schwierigen Thema und eine Professionalisierung der Mitarbeiter.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2013 | 19:56 Uhr

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Zahl von öffentlich gewordenen sexuellen Übergriffen im Umfeld von Kindertageseinrichtungen hat eine fünfköpfige Arbeitsgruppe das Schutzkonzept zusammen mit dem Wendepunkt in Elmshorn innerhalb von nur zwölf Monaten ausgearbeitet und umgesetzt. 17 Einrichtungen profitieren davon, 300 Mitarbeiter wurden geschult und erhalten alle zwei Jahre eine Fortbildung.

Unter dem Motto „Gemeinsam passen wir auf“ macht das DRK damit Front gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt in Kindertageseinrichtungen, setzt außerdem auf Prävention, um Übergriffe zu verhindern. Das beginnt bei den Bewerbungsgesprächen, in denen ein potenzieller Mitarbeiter auch auf seine kindgerechte und menschenwürdige Haltung hin überprüft wird.

Er muss zukünftig Fragen etwa nach seiner Meinung zu grenzverletzendem Verhalten beantworten, wird mit Situationen konfrontiert, in denen seine Fähigkeit, auch auf Details im Verhalten anderer zu achten, hinterfragt wird.

Das Schutzkonzept enthät außerdem einen Handlungsplan für die richtige Reaktion von Erzieherin auf auffälliges Verhalten sowie einen Notfallplan für das richtige Verhalten nach einem sexuellen Übergriff. Die Mitarbeiter lernen, eigene Bedenken zu äußern, einen Verdacht anzusprechen, andere Erwachsenen zur Rede zu stellen, mit betroffenen Kindern zu kommunizieren.

„Erzieher müssen auch wissen, was die kindliche Sexualität von der erwachsener Menschen unterscheidet“, sagte Sabine Goetz, Leiterin des Moorreger DRK-Kinderhauses und Mitglied in der Arbeitsgruppe. Das Schutzkonzept gibt auch einen Rahmen für die Erarbeitung des Themas Sexualität im Kindergarten vor, zeigt auf, dass etwa die Selbsterforschung des eigenen Körpers dazu gehört, niemals aber Gegenstände in Körperöffnungen eingeführt werden dürfen. „Die Kinder müssen lernen, dass sie nein sagen dürfen, und nur sie ein Recht auf ihren Körper haben“, sagte Sabine Goetz. Zentrales Anliegen des Schutzkonzeptes sind Fortbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter. Zu überwinden sind Scham, Schweigegebote, Sprachlosigkeit und Tabus. „Dabei hilft eine Professionalisierung. Außerdem schafft die Regelmäßigkeit, mit der das Thema im Kreis der Erzieher angesprochen wird, eine gewisse Routine. Und die wiederum verhindert im Ernstfall planloses Handeln“, sagte Nadine Joswig, ebenfalls Mitglied in der Arbeitgruppe.

Lob für Konzept und Engagement gab es gestern von Dirk Jacobsen und Andrea Bünz, Mitarbeiter des Wendpunktes. Das Konzept sei vorbildlich, müsse jetzt aber auch gelebt werden, sagte Dirk Jacobsen. „Es darf nicht in einer Schublade verstauben.“ Mit der Veröffentlichung des Schutzkonzeptes verbindet er die Hoffnung, dass auch andere Kindertageseinrichtungen das Thema stärken aufgreifen. „Bislang reagierten da aber noch viele sehr zögerlich“, sagte er.

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