zur Navigation springen

Auf Tour : Schulmannschaften statt Vereinssport?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Auf seiner Dialog-Reise durch Schleswig-Holstein hat Wirtschaftsminister Jost de Jager in Elmshorn Station gemacht. Er traf sich mit Vertretern des Kreissportverbandes Pinneberg (KSV) und Pinneberger Vereinen zu einem Gedankenaustausch zum Thema Ganztagsschule. KSV-Geschäftsführer Karsten Tiedemann machte gleich zu Beginn auf die Problematik aufmerksam, mit der nicht nur die Sportvereine, seit Einführung der Ganztagsschule zu kämpfen haben: Es fehlen mehr und mehr Jugendliche, die das Angebot der Sportvereine annehmen, weil sie nunmehr bis in den späten Nachmittag in den Schulen sind. Die Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier nahm den Ball sogleich auf und verwies unter anderem auch auf die Kirchengemeinde in Hetlingen, wo es Probleme gäbe, den Konfirmandenunterricht auszurichten.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2011 | 21:12 Uhr

Wilfried Diekert, Vorsitzender des TuS Appen machte deutlich, dass dem Sportverein durch die Ganztagsschule die Mitglieder wegbrechen: „Von 1700 Mitgliedern haben wir rund 700 Jugendliche. Wieso schafft die Politik ein Ganztagsschulenangebot, ohne vorher darüber nachzudenken?“

Einig waren sich die Diskutanten, dass die Angebote der Vereine in Zukunft mehr Flexibilität zeigen müssten, auch um die Nutzung der vorhandenen Sportflächen besser zu koordinieren. Ein Ansatz der Diskussion war auch, Sportangebote künftig mehr in die Schulen zu integrieren, beispielsweise als Schulmannschaften oder Schulabteilungen, wie es beispielsweise in den USA mit den College-Mannschaften geschieht. Hierfür sei aber ein kompletter Umbau der Vereinsstrukturen in Deutschland notwendig.

Die Vertreter der Vereine machten deutlich, dass sie die Kooperationen mit den Schulen verbessern möchten, es fehle jedoch häufig an den personellen Kapazitäten, schließlich arbeiten die meisten der Vereinsvertreter ehrenamtlich. Eine Forderung an den Spitzenkandidaten war auch, die Finanzierung des Ganztagsangebotes zu überdenken. Da das Land dieses derzeit nicht finanziert, wurde die Betreuung des Nachmittagsangebotes auf Träger wie Vereine, Kinderschutzbund oder Volkshochschulen übertragen. Damit die Vereine jedoch der Nachfrage gerecht werden können, müssten diese hauptamtliche Kräfte einstellen, was oftmals aus finanziellen Gründen kaum möglich ist.

In Schleswig-Holstein gibt es rund 430 offene sowie 23 gebundene Ganztagsschulen, was gut fünfzig Prozent aller Schulen ausmacht. Derzeit engagieren sich im Kreis Pinneberg 24 Vereine mit rund 90 Stunden Sportangebot an 46 Schulen. Der Keissportverband wies auch auf ein weiteres Problem hin: viele Schülerinnen und Schüler würden das Sportangebot an den Schulen am Nachmittag gar nicht nutzen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des KSV, der Vereine und dem Fachdienst Jugend des Kreises hätte viele Probleme erörtert, jedoch hätte es seit der letzten Sitzung im September keine Stellungnahme des Fachdienstes mehr gegeben.

Auf die Fragen und Nöte konnte de Jager auf die Schnelle keine befriedigenden Antworten geben, er versprach aber, sich der Probleme anzunehmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert