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Uetersener Nachrichten

20. August 2017 | 01:03 Uhr

Datenschutz : Schufa entdeckt das Internet

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) prüft in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam, inwieweit sich Sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ oder ähnlichen Internetgemeinschaften Informationen über die Bonität ihrer Nutzer entnehmen lassen. Natürlich ist dies bei den Datenschützern auf harsche Kritik gestoßen.

Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sagte dem Radiosender NDR Info: „Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension.“

Unter anderem sollen die Kontakte von Facebook-Mitgliedern darauf überprüft werden, inwieweit ihre Beziehungen zu anderen Personen Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit zulassen. Anhand der zur Verfügung stehenden Textdaten könnte ein „aktuelles Meinungsbild zu einer Person“ ermittelt werden Ein Schufa-Sprecher betonte am Donnerstag, es handele sich derzeit ausschließlich um ein Forschungsprojekt. „Es geht nicht darum, jetzt zusätzliche Datenquellen zu erschließen.“ Die Schufa sei allerdings der Meinung, dass Informationen aus Sozialen Netzwerken in Zukunft relevant für das Geschäft einer Wirtschaftsauskunftei werden können, weshalb man hier Grundlagenforschung betreibe. Dies alles geschehe in Deutschland in legalem Rahmen, schließlich gehe es um Daten, auf die jeder Mensch auf der Welt zugreifen könne. In dem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt werde auch der Frage nachgegangen, was ethisch vertretbar und nach geltendem Datenschutzrecht erlaubt sei.

Daten- und Verbraucherschützer lehnten das geplante Forschungsprojekt in scharfen Worten ab. Weichert sagte: „Hinter einem solchen Forschungsprojekt steckt immer eine Absicht.“ Er zweifele daran, dass eine Umsetzung der Projektideen rechtlich überhaupt haltbar sei. Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg nannte das Schufa-Projekt eine „Grenzüberschreitung“. „Wenn diese sehr privaten und persönlichen Datensammlungen wie Facebook von der Schufa zusammengeführt und ausgenutzt werden, dann wird es hochgefährlich.“ Markus Beckedahl, der Vorsitzende des Vereins Digitale Gesellschaft, sagte, das Projekt zeige klar die Richtung, in die bei der Schufa gedacht werde: „Deine Freunde und dein Status sind Deine Bonität.“ Das erinnere an Wohnumfeld-Analysen, wo zum Beispiel aus der Bonität der Nachbarn auf die eigene geschlossen werde. „Diese privaten Daten gehen die Schufa nichts an, so Beckedahl. Verbraucher können einmal jährlich von der Schufa eine Selbstauskunft verlangen. Beckedahl erinnerte daran, dass bereits heute die Verbraucher die Möglichkeit haben, einmal jährlich kostenlos nach Paragraf 34 Bundesdatenschutzgesetz von der Schufa eine Selbstauskunft zu verlangen.

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erstellt am 08.Jun.2012 | 22:18 Uhr

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