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Beispielhaft : Schülerin Zohal will Ärztin werden

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Seit knapp zwei Jahren lebt die 14 Jahre alte Zohal Ahmadi mit ihrer Mutter, einer Schwester und einem Bruder in Tornesch. Sie stammt aus Afghanistan. Drei Brüder leben noch dort. Der Vater ist Opfer eines Attentats geworden.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 21:27 Uhr

Dass Zohal, ihre Mutter und zwei ihrer Geschwister langsam die Angst vor Terror und Verfolgung ablegen konnten und sich in Tornesch sicher und willkommen fühlen, haben sie in großem Maße dem Ehepaar Ingeborg und Jörg-Arved Friedrich zu verdanken. Zwischen dem Ehepaar und den Flüchtlingen ist ein enges Vertrauensverhältnis entstanden. Und so hat Zohal Jörg-Arved Friedrich auch bei der Suche nach einem Betriebspraktikumsplatz um Rat gebeten. Denn Zohal besucht die neunte Klasse an der Rosenstadtschule Uetersen und in dem Schuljahrgang steht im Februar 2016 auf dem Stundenplan, dass die Jugendlichen zwei Wochen lang ein Praktikum ihrer Wahl absolvieren. Da sich Zohal für den medizinischen Bereich interessiert, hat Jörg-Arved Friedrich gleich an einen guten Bekannten gedacht: an den Tornescher Zahnarzt Dr. Andreas Pappert. „Ich bin dort nicht Patient, aber ich weiß, dass Dr. Pappert ein offenes Ohr für soziale Dinge hat“, so Jörg-Arved Friedrich. Ein Anruf genügte und Dr. Pappert stellte den Praktikumsplatz im Februar zur Verfügung. Und noch mehr. Er bot Zohal an, bereits vorher für ein paar Tage in seiner Praxis „zu schnuppern“. Und das macht die 14-Jährige gerade und ist voller Elan und mit Interesse bei der Sache, was das ganze Praxisteam freut und begeistert. „Ich bin sehr nett aufgenommen worden und mir wird viel gezeigt“, berichtet Zohal in sehr gutem Deutsch. So erhält sie nicht nur Einblick in den Arbeitsalltag des Praxisteams und die Abläufe und darf bei Behandlungen zusehen. Sie hat nach entsprechender Einweisung und Anleitung auch Absauger bedienen, Aufbissschienen anfertigen und Abdrücke nehmen dürfen. Aufmerksam verfolgt Zohal, deren großes Ziel es ist, Medizin zu studieren, auch den freundlichen Umgang des Praxisteams mit den Patienten. „Ich freue mich sehr, dass ich schon vor dem eigentlichen Praktikum hier sein darf. Das interessiert mich alles und ich habe gemerkt, wie anstrengend es ist, den ganzen Tag zu stehen“, so Zohal. Dass zwei Ärztinnen, die ebenfalls aus Afghanistan stammen, in der Praxis mitarbeiten und von Dr. Pappert sehr geschätzt werden, hat Zohal die Praxis-tage fast ein bisschen heimisch gemacht. „Wir unterhalten uns aber hier nur auf Deutsch“, betont Zohal. Ein paar Notizen über die Erlebnisse und Einblicke der Vorab-Praktikumstage, die nun morgen zu Ende gehen, hat sie sich gemacht. „Vielleicht brauche ich die Notizen für meinen Praktikumsbericht, wenn ich im Februar zwei Wochen hier bin“, so die Neuntklässlerin vorausschauend. „Ich freue mich, dass Zohal viele Fragen stellt und Interesse zeigt. Wir sind sehr angetan von ihr“, so Dr. Andreas Pappert. Ihm liegt sehr am Herzen, dass die in Deutschland lebenden Flüchtlinge integriert werden, Deutsch lernen und Arbeit erhalten. Und er würde sich wünschen, wenn auch andere Mediziner-Kollegen Praktikumsplätze für Interessierte wie Zohal zur Verfügung stellen würden.

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