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10a des LMG auf Klassenfahrt : Schülererlebnisse in Kaliningrad

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Eine Woche lang weilten 18 Schüler der Klasse 10c der Ludwig-Meyn-Schule in Kaliningrad (Königsberg). Begleitet wurden sie von den Lehrern Kathrin Czieslik und Egbert Jacobs. Die Klasse war zu Gast bei einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, die mithilfe von Mitteln aus der Bundesrepublik Deutschland gegründet werden konnte.

Die Schüler verfolgten das Gemeindeleben und brachten sich auch in das Geschehen ein. Ehrenamtlichkeit ist in Russland wichtiger denn je, geht es um kirchliche Arbeit. Denn staatliche Unterstützung gibt es keine mehr. Wie gut, dass es hinsichtlich der Verständigung, Dank einer der russischen Sprache mächtigen Mitschülerin, kaum Probleme gab. So konnte sich die Klasse auch die Stadt und zudem die Natur erschließen, die malerisch vor den Toren Kaliningrads liegt.

Die Gymnasiasten aus Uetersen vergegenwärtigten sich, dass das gesamte Gebiet touristisch kaum erschlossen ist, jedenfalls nicht für solche Touristen, die den Alternativaufenthalt zum Leben in einem Hotel vorziehen.

Das Haff, die Kurische Nehrung, die Sümpfe, die Wälder... Alles war unglaublich schön. Ganz besonders gut kam jedoch eine rasante Schlauchbootfahrt auf dem Fluss „Matrosovka“ an, die erst im Haff endete. „Der Moment, in dem sich das Haff öffnete, war der beeindruckendste“, erinnert sich Egbert Jacobs. „Es war eine unbeschreibliche Weite, und einfach nur schön“, pflichtete ihm Schülerin Sophia Schübbe bei.

Arm und reich bilden, so der Eindruck, im Bereich Kaliningrad einen krassen Gegensatz. So etwas wie eine Mittelschicht gibt es offensichtlich nicht. Die Kriminalität erscheint hoch, so muss auch die Kirche rund um die Uhr bewacht werden. „Dass es in Kaliningrad teilweise sehr heruntergekommen ist, hatten wir nicht gedacht“, so Sophia Schübbe. Ein weiteres Problem, das nicht zu übersehen war, betraf den Alkoholkonsum. Es werde wohl immer getrunken und das oft über die Maßen. Immerhin habe der Staatspräsident durchgesetzt, dass nach 22 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden dürfe. Und dieses Verbot werde auch eingehalten, so die Beobachtung der Schüler.

Der Aufenthalt war ein Abenteuer. Die Anfahrt aber auch. Weil der Fahrer des Busses die Fahrzeugpapiere verbummelt hatte, kam man zunächst nicht über die russische Grenze. Ein unfreiwilliger Hotelaufenthalt in Polen war die Folge.

„Es war interessant, eine andere Kultur kennenzulernen als die bekannte Westeuropas. Ich könnte mir vorstellen, den Osten noch intensiver zu bereisen. Er ist kulturell sehr interessant“, so die Schülerin zusammenfassend.

Die Reise nach Russland wurde mit einem Besuch im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg vorbereitet. „Wir trafen dort einen Zeitzeugen, der von seiner Flucht von der Samlandküste nach Deutschland berichtete. Seine teilweise etwas einseitig wirkende Darstellung der Deutschen als Opfer wurde durch unseren Besuch des Mahnmals zum Verbrechen von Palmnicken relativiert, das an den verzweifelten Überlebenskampf von jüdischen KZ-Häftlingen erinnert“, so Egbert Jacobs. Etwa 5000 Personen, vornehmlich Frauen zwischen 18 und 40 Jahren, wurden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges auf einen Todesmarsch von Königsberg Richtung Ostseeküste geschickt. Wohl etwa 3000 kamen an der Ostseeküste an und wurden mit Maschinengewehrsalven in das eisige Meer geschickt.

Das Denkmal, das besichtigt wurde, stellt Hände dar, die sich zum Himmel recken und verzweifelt versuchen, sich am Leben festzuklammern – vergeblich.

Einen Bericht über die evangelische Kirchengemeinde in Kaliningrad lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe.

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Die Welt nicht nur virtuell „bereisen“

Uetersen/Kiel (pl). „Kinder und Jugendliche wachsen in einer Gesellschaft heran, in der ihnen tagtäglich vielfältige Informationen durch Medien vermittelt werden. Dies erweitert den Horizont ihrer Erfahrungen.

Die Zunahme solcher Erfahrungen aus zweiter Hand beeinträchtigt aber auch die Fähigkeit, die Welt auf eigene Weise wahrzunehmen und der eigenen Erfahrung zu trauen. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein schlussfolgert daher: Erfahrungen aus erster Hand und damit auch außerschulische Lernorte sind ein wichtiger Baustein der Grundbildung. Das Kaliningrader Gebiet ist mit seiner besonderen politischen Lage, der abwechslungsreichen Natur und den sozialen Unterschieden ein idealer Lernort. „Im Hinblick auf diese Situation entfalten die Lehrpläne ein Konzept von Grundbildung, das allen Schülerinnen und Schülern dazu verhelfen soll, die Vielfalt der natürlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit, in der sie leben, differenziert wahrzunehmen, zu empfinden und zu beurteilen.“ Dementsprechend haben sich die Uetersener Schüler verhalten.

Begegnungsfahrten dieser Art sind auch von der Gemeinde in Kaliningrad ausdrücklich erwünscht, vor allem deshalb, weil ansonsten nur ältere Generationen aus Deutschland das Gebiet und die Gemeinde besuchen. Vorwiegend Menschen, die nach dem durch Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat verloren haben.

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erstellt am 30.Jun.2013 | 18:05 Uhr

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