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Junge Menschen sensibilisieren : Schüler aus Uetersen betreiben seit vier Jahren eine Fair-Trade-Firma

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Mehr als 3000 Kleidungsstücke haben die Schüler seit Gründung der Firma hauptsächlich an Sportvereine und Schülergruppen verkauft.

Uetersen/Elmshorn | Die Schülerfirma „Young And Fair“ des Uetersener Ludwig-Meyn-Gymnasiums verkauft seit vier Jahren fair gehandelte Kleidung aus Biobaumwolle. Mehr als 3000 Kleidungsstücke haben die Schüler seit Gründung der Firma hauptsächlich an Sportvereine und Schülergruppen verkauft. Vor einem Jahr haben sie ihr Sortiment erweitert und eine eigene Modemarke entwickelt: Defy – bedruckte Shirts, deren Design im Zuge eines Wettbewerbs in der Schule erstellt wurde.

Hinter der Idee „Young And Fair“ steckt mehr als nur der Verkauf von Kleidung, wie der 16-jährige Arvid Maiwald während einer Diskussion mit Lokal- und Bundespolitikern und dem Team des Elmshorner Weltladens Top 21 berichtete. „Natürlich wollen wir möglichst viel verkaufen, aber uns geht es auch darum, auf fairen Handel aufmerksam zu machen“, sagte er. Der 16-Jährige schätzte, dass etwa die Hälfte seiner Klassenkameraden sich keine Gedanken darüber mache, unter welchen Bedingungen ihre Kleidungsstücke produziert werden. Dabei würden seit dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1000 Toten vor etwa drei Jahren eigentlich alle die schrecklichen Seiten der Textilindustrie kennen. „Wir müssen den Leuten beibringen, dass sie mitverantwortlich sind und etwas ändern können“, sagte der Schüler.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, Sprecher der Arbeitsgruppe Weltwirtschaft seiner Fraktion, lobte das Engagement von „Young And Fair“. Laut Barthel sei das Ziel, nur noch Produkte nach Europa zu importieren, die bestimmten Kriterien der Fairness, der Ökologie und des Sozialstandards genügten. „Das Schülerprojekt zeigt, dass das geht. Warum sollten wir es nicht mittelfristig schaffen, das zu verallgemeinern“, sagte er. Derzeit erstelle die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte, bei dem etwa geprüft werden soll, wie deutsche Firmen dafür verantwortlich gemacht werden können, was sie beim Produzierenlassen ihrer Produkte anrichten, sagte Barthel. Er könne sich etwa eine Haftungsstelle für Opfer vorstellen. „Drei Jahre nach dem Unglück von Bangladesch ist die Frage, woher die Opfer eine Entschädigung erhalten, immer noch offen“, sagte Barthel. Einige von ihnen versuchten auch vor deutschen Gerichten ihre Ansprüche geltend zu machen. „Es muss geregelt werden, wo Menschen aus anderen Ländern ihre Rechte geltend machen können“, sagte er.

Vor diesem Hintergrund gebe es derzeit auch eine Briefaktion des Weltladen Dachverbands und des „Forums Fairer Handel“ an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), berichtete Albert Röhl vom Weltladen Top 21. „Wir wollen damit erreichen, dass die Regierung ein Gesetz erarbeitet, dass deutsche Unternehmen verpflichtet werden, Menschen- und Arbeitsrechte im globalen Geschäftsverkehr einzuhalten“, sagte er.

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erstellt am 21.Apr.2016 | 16:00 Uhr

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