ToAll-Abend : Schubert-Abend auf hohem Niveau

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Einen Kunstgenuss hoher Güte erlebten die Besucher der jüngsten ToAll-Veranstaltung. Der multikulturelle Verein hatte zu einem Liederabend mit dem Tenor Steffen Wolf und der Pianistin Michi Komoto ins POMM 91 eingeladen. Auf dem Programm stand der Liederzyklus „Die schöne Müllerin“, 1825 von Franz Schubert (1797-1828) für Singstimme und Klavier komponiert. Textbasis bildete die Gedichtsammlung „Die schöne Müllerin“ von Wilhelm Müller (1794-1827), die in den 1821 erschienenen 77 nachgelassenen Gedichten aus den Papieren eines reisenden Waldhornisten enthalten ist.

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29. Oktober 2012, 20:47 Uhr

Der Inhalt der Gedichte bezieht sich biografischen Quellen und Briefen zufolge auf Müllers unerfüllte Liebe zu Luise Hensel. Schubert hat von den 25 Gedichten 20 vertont, wodurch die vom Dichter beabsichtigte Ironie im romantischen Sinne und der pessimistische Schluss aufgehoben wurden. Der Inhalt ist typisch romantisch: Ein junger Müllersgeselle ist auf Wanderschaft und folgt dem Lauf eines Baches, der ihn zu einer Mühle führt. Der junge Mann verliebt sich in die Tochter des Müllers, die anfangs seine Gefühle zu erwidern scheint, sich dann aber einem Jäger zuwendet. Vor Liebeskummer ertränkt sich der Verschmähte schließlich in besagtem Bach. Die ersten Lieder sind so komponiert, dass sie Freude und Optimismus erkennen lassen. Der zweite Teil schlägt in Resignation, Wehmut, Zorn und Todessehnsucht um.

Steffen Wolf und Michi Komoto gelang diese Interpretation in beeindruckender Weise. Steffen Wolf verzauberte die Zuhörer nicht nur mit seiner Tenorstimme, sondern auch mit der Art seines Vortrages: sensibel angepasst an die jeweilige Liedsituation. Und Michi Komoto, die bereits mehrfach bei ToAll-Klassik-Abenden den Flügel im POMM 91 spielte, begleitete ihn dabei mit schnellem, mäßigen oder langsamen Tempo in Dur und Moll-Tonarten als hervorragende Pianistin.

Das Publikum war begeistert, dankte nach einzelnen Liedern und am Ende des Abends mit Bravo-Rufen und anhaltendem Beifall. „Ihr habt heute einen Meilenstein gesetzt. Ich habe eine ganze Skala von Schöne-Müllerin-Aufnahmen. Ihr seid in dieser Skala nun ganz vorne“, sagte ToAll-Vorsitzender Hanfried Kimstädt voller Begeisterung nach Verklingen des letzten Tones und unvertonter Gedichtzeilen, die Steffen Wolf zum Abschluss vortrug. Die ToAll-Aktiven hatten mit Kerzenlicht auf Tischen und dem Anstrahlen einer Eiche vor dem POMM 91-Gebäude romantische Stimmung, passend zum Liederabend, geschaffen und ein Heftchen mit den Liedtexten erstellt.

Steffen Wolf (Tenor) / Michi Komoto (Klavier) begeisterten das Publikum im POMM 91 Steffen Wolf (Tenor) studierte von 1996 bis 2004 am Hamburger Konservatorium und an der Hamburger Musikhochschule. Ab 2001 war er daneben Privatschüler von Prof. Renate Behle und seit 2005 bei Prof Sabine Kirchner.

Er komplettierte seine Ausbildung im Bereich „Alte Musik“ und erhielt wichtige Anregungen im Lied- und Operettenrepertoire auf Meisterkursen. Sein Oratorienrepertoire umfasst wichtige Tenorpartien vom Frühbarock bis zur Romantik und Moderne. Der Liedgesang nimmt einen wichtigen Platz ein, wobei die drei großen Liederzyklen Schuberts im Mittelpunkt stehen.

Die Pianistin Michi Komoto stammt aus Kobe (Japan). Sie studierte in Brisbane und Hamburg und arbeitete als Dozentin für Korrepetition. Seit 2004 ist sie international als Solistin in Orchesterkonzerten und mit Solo- und Kammermusikabenden unterwegs.

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