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Uetersener Nachrichten

19. November 2017 | 22:40 Uhr

Landgericht : Schrank-Junkie rückfällig

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der Junkie aus dem Schrank ist rückfällig geworden. Gestern stand Kai Peter P. aus Tornesch wieder vor Gericht. Staatsanwalt Reinhold Neumann wollte ihn diesmal hinter Gitter setzen. Doch Richter Dr. Werner Hinz gab erneut Grünes Licht für eine Therapie – wenn auch an kurzer Leine.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2012 | 21:06 Uhr

Kai Peter P. war im September 2010 in die Tornescher Zahnarztpraxis Stange an der Wilhelmstraße eingebrochen, um zwei Geldkassetten zu stehlen (die UeNa berichtete). Als die Alarmanlage anschlug, verkroch er sich in einem Besenschrank. Zuerst fand die Polizei ihn nicht, doch dann fiel in dem Versteck ein Staubsauger um und verriet den damals 21-Jährigen.

Richter Dominik Mardorf hatte ihn im März 2011 am Amtsgericht Itzehoe zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Geahndet werden sollte damit auch, dass der Angeklagte zwei Körperverletzungen und bei der Festnahme Widerstand gegen Polizeibeamte begangen hatte.

Allerdings durfte Kai Peter P. „auf Bewährung“ in Freiheit bleiben und eine Therapie antreten. „Wir drücken Ihnen die Daumen, dass Sie das schaffen“, hatte Mardorf ihm zum Abschied gesagt. Daraus wurde aber nichts. Zwei Tage später trat Kai Peter P. in Schleswig zwar eine Entgiftungskur an. Doch dann meldete sich seine Ex-Freundin und erzählte von einem neuen Partner – Kai Peter P. stürzte ab. Andere Patienten hatten Alkohol eingeschmuggelt. Er griff zur Flasche, wurde rückfällig und rausgeworfen.

Kai Peter P. versuchte noch, sich in einer Klinik in Hamburg-Ochsenzoll entgiften zu lassen. Aber sein Bemühen scheiterte daran, dass die Kostenzusage der Versicherung abgelaufen war. Er zog nach Tornesch zu seiner Freundin und lebte dort ohne Meldung, ohne Hartz-IV, ohne Perspektive.

Staatsanwalt Neumann war mit dem Urteil von Anfang an nicht glücklich gewesen und hatte Berufung eingelegt. An dem Tag, als er die Begründung schrieb, bohrte er bei der Verteidigerin Franziska Hammer nach. Er rief sie an und wollte wissen, ob ihr Mandant in Therapie sei. Antwort: „Weiß ich nicht.“ Neumann sah seine Berufung gerechtfertigt. Kai Peter P. zog mittlerweile um die Häuser. Es besteht der Verdacht, dass er Ende Juni am Pinneberger Bahnhof in eine Lagerhalle einbrach und eine Digitalkamera, 20 Maniküresets sowie 80 Euro mitgehen ließ. Zwei Wochen später stieg er in der Nähe in ein Büro ein und wurde festgenommen.

Der Prozess steht noch aus, doch laut Hammer wurde der Haftbefehl gestern aufgehoben, damit sich Kai Peter P. ab heute eine Entgiftung unterziehen kann. Neumann hatte vor diesem Weg gewarnt: „Wir sollten uns nicht ein weiteres Mal blenden lassen“, sagte er gestern.

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