Beinharte Jobvermittlung : Schnuckeliges Leistungszentrum

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Neuigkeiten aus dem Jobcenter, in dem Uetersen und Tornesch schon lange vereint sind: Im Tornescher Rathaus wacht jetzt eine Frau darüber, dass Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot kommen. Frank Burmester, Leiter Markt-Integration, ist jetzt in gleicher Funktion in die Arbeitsvermittlung nach Elmshorn gewechselt, Heidi Meyer, Teamleiterin Markt-Integration in Elmshorn, übernahm seine Stelle in Tornesch. Die hübsche

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11. September 2011, 21:29 Uhr

Die hübsche Blondine ist damit quasi zu ihren „Wurzeln“ zurückgekehrt, begann sie doch ihre berufliche Laufbahn in der zweitjüngsten Stadt Schleswig-Holsteins und findet es hier „besonders überschaubar und nett“.

Der Wechsel ist Grund genug, einmal hinter die Mauern und Türen zu spähen, hinter denen so viel Hoffnung, Ängste und Anstrengungen verborgen sind, die Menschen hinter und vor den Schreibtischen empfinden, die von der „Staatsknete“, sprich Zuwendungen nach dem Sozialgesetzbuch II oder auch Hartz IV genannt, leben müssen und die sie nach Recht und Gesetz verteilen.

Hinter den Schreibtischen an der Wittstocker Straße 7 betreuen eine ganze Menge engagierter Menschen 1666 Kunden, davon sind 1307 sogenannte „Bedarfsgemeinschaften“, also Familien oder Alleinstehende mit Kindern im Alter bis zu 15 Jahren. Jugendliche über 15 Jahren werden nicht zu den Bedarfsgemeinschaften gerechnet, sondern einzeln gezählt und betreut. Für Kinder und Jugendliche mit besonderen Problemen wie Sucht, psychosozialen Problemen oder eigenen Schulden steht eine Fallmanagerin bereit, die sich speziell mit solchen Problemen auskennt und Hilfe anbieten kann. Menschen, die zum ersten Mal in das Jobcenter an der Wittstocker Straße kommen, werden von der sogenannten Präsenzvermittlerin unterstützt. Die klärt, in welcher Situation die Hilfesuchenden sind, wo schnell und unbürokratisch erste Schritte eingeleitet werden müssen, dass sie so schnell wie möglich Leistungen erhalten und leitet sie dann an einen der Arbeitsvermittler weiter. Gleich drei Arbeitsvermittler stehen für die 25- bis 49-jährigen Arbeitssuchenden zur Verfügung, zwei kümmern sich um die über 50-jährigen – davon gibt es im Bereich Tornesch-Uetersen ungefähr 250 Menschen, die neue Arbeit suchen – und zwei Arbeitsvermittler sind für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zuständig. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die Teamleiterin der Leistungsrechner, Katrin Hinz, die bei jedem einzelnen ihrer Kunden entscheidet, wer was, wann und wie an Leistungen, sprich Geld, bekommt.

Und darauf ist Katrin Hinz besonders stolz: „Wer bei uns den Antrag stellt und alle erforderlichen Unterlagen beisteuert, bekommt die Leistung bereits nach einer Bearbeitungsdauer von 1, 59 Tagen.“

Bei einem bundesweiten Vergleich der Leistungen und der Bearbeitungsdauer von 51 in etwa „baugleichen“ Jobcentern kam Tornesch auf Platz zwei – klar, dass die Mitarbeiter darauf besonders stolz sind.

„Wir sind ein tolles Team“ erklärt Katrin Hinz des Tornesch-Uetersener Jobcenters. Und das hier sei doch wirklich „ein schnuckeliges Leistungszentrum.“ Ob das die arbeitssuchenden Arbeitslosengeld-II-Empfänger genauso sehen, sei einmal dahin gestellt, die Arbeitsvermittler müssen sich schließlich an die Grundlagen und Vorgaben halten, die ihnen die Gesetze diktieren. Und die geben kein „kuscheliges Gefühl“. Die Jobcenter-Mitarbeiter werden auf „Gesprächsführung in Konfliktsituationen“ vorbereitet, entsprechende Techniken lernen die als Betriebswirte, Verwaltungsfachkräfte, Pädagogen oder Soziologen ausgebildeten Vermittler so mal ganz neben ihrem anstrengenden Job. Mit einem will die neue Leiterin Heidi Meyer allerdings aufräumen: Das Vorurteil, dass alle Arbeitslosengeld-II-Empfänger faul seien, stimmt ihrer Erfahrung nach nicht. Die meisten würden alles tun, um wieder ihr eigenes Geld verdienen zu können. Die wenigsten kommen auch in betrügerischer Absicht hierher, sondern meist aus Notlagen oder ganz besonderen Lebenssituationen, in die fast jeder einmal geraten könne.

Und für die gelte es, realistische Ziele und Perspektiven zu entwickeln. Ein bisschen verärgert seien die Mitarbeiter, wenn verabredete Termine nicht eingehalten werden und dann Ausreden kommen wie „Ich musste unbedingt noch mit dem Hund Gassi gehen.“ Oder ein Vorstellungstermin abgesagt wird: „Ich bin orientierungslos, den Arbeitgeber finde ich nicht.“

Sauer sind die Jobvermittler aber auch manchmal auf einige Arbeitgeber. „Die bieten immer wieder und immer den gleichen wochenlangen Praktikumsplatz an, schließen im Höchstfall nur vom Arbeitsamt bezuschusste Jahresverträge ab und schmeißen die Angestellten dann doch raus, und die landen dann wieder hier.“

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