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Uetersener Nachrichten

23. August 2017 | 18:22 Uhr

Amtsgericht : Schmerzensgeld für die Tochter

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Beinahe hätte er sein Geständnis wieder zurückgezogen. Nur zögernd gab Bernd L. gestern am Amtsgericht Elmshorn zu, dass er Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Neuendeich seine achtjährige Tochter Martina sexuell missbraucht hatte.

Richterin Renate Päschke-Jensen verurteilte den 58-jährigen Hamburger zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Außerdem muss er seiner Tochter ein Schmerzensgeld in Höhe von 4000 Euro zahlen.

Martina L. hatte sich lange kaum jemandem anvertraut. Doch der Leidensdruck wuchs. Sie schlitzte sich ihre Arme auf, litt an Ängsten, Ess- und Schlafstörungen. Mit 16 Jahren wurde sie in eine Kinder- und Jugendklinik eingeliefert. Die Ärzte diagnostizierten posttraumatische Belastungsstörungen und das Borderline-Syndrom. „Die Tat hat den Lebensweg der Geschädigten massiv beeinflusst“, sagte Staatsanwältin Dagmar Staak. Bernd L. wollte gestern eigentlich gar nichts sagen. Das Geständnis las sein Anwalt Rainer Frank vor. „Es fällt ihm außerordentlich schwer, sich selbst zu äußern“, sagte er. Dann erzählte der Angeklagte doch: Dass seine Frau fremdgegangen war; dass er die Scheidung einreichte und Martina sowie ihre Halbschwester Monika allein erzog; dass eine Nachbarin ihn des sexuellen Missbrauchs verdächtigte und anzeigte; dass das Jugendamt dem Lagerarbeiter die Mädchen eine Zeitlang wegnahm.

An den Wochenenden fuhren die drei oft nach Neuendeich zu seiner Mutter. Eines Abends in den Jahren 1993 bis 1995 hatte Bernd L. den Eindruck, dass Martina unruhig schlief. „Deshalb habe ich mich zu ihr gelegt, um sie zu beruhigen. Ich kann mir keinen anderen Grund vorstellen“, sagte er. Seine Tochter wachte jedoch auf. Der Polizei berichtete sie, dass sie eine sexuelle Erregung ihres Vaters spürte. Er habe sie umschlungen und gestreichelt. Bernd L. wand sich. Mit dem Geständnis wollte er seiner Tochter die Aussage vor Gericht ersparen, aber die sexuelle Erregung? Die räumte er erst nach mehrmaliger Nachfrage ein.

Martinas Anwältin Katarina Pluhar war enttäuscht. Sie vermisste die Reue. Anwalt Frank wiegelte ab. Das Leid des Mädchens könne nicht allein auf die Tat zurückgeführt werden. Für das Borderline-Syndrom gäbe es unterschiedliche Ursachen. Und die Reue lasse sich am Gesicht seines Mandanten ablesen. „Da haben sie Tränen gesehen“, so Frank. Die Richterin ließ sich nicht beeindrucken. „Wenn es Tränen gab – und da habe ich keine gesehen – dann weinen Sie um sich“, sagte sie dem Angeklagten.

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erstellt am 10.Mai.2012 | 21:08 Uhr

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