Uraufführung : Schaurig-schön und richtig spöttisch

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Die Sopranistin bellt. Der Bratscher lässt die Saiten quietschen. Spöttisch spitzt die Mezzosopranistin ihre Lippen und formt jede Silbe genüsslich: „In die Tüte von Papiere sperren sie die Krabbeltiere. Fort damit und in die Ecke unter Onkel Fritzens Decke!“, singt sie aus dem fünften Streich von „Max und Moritz“.

shz.de von
30. Oktober 2012, 21:32 Uhr

Es ist unüberhörbar: Die Künstler haben sich auf die Seite der Lausbuben von Wilhelm Busch geschlagen. Ihr Auftritt am Sonntagabend in der Uetersener Museumsscheune war ein einziger musikalischer Streich, schaurig-schön und eine Welturaufführung obendrein. Der Heistmer Komponist und Bratschist Wolfgang Anton hatte während der vergangenen zwei Jahre Busch-Gedichte vertont. Am Sonntag trug der 80-Jährige seine Kompositionen zusammen mit Sopranistin Doritha Schwier und Bariton Christoph Clausen, beide aus Moorrege, Mezzosopranistin Claudia Brandenburger aus Hamburg und Sprecher Simon Dehmel aus Uetersen erstmals vor.

Fast 40 Zuhörer verfolgten das rund 70-minütige Programm. „Gut“ lautete am Ende das Urteil der beiden einzigen Kinder im Publikum. Besonders „Max und Moritz“ hatten es dem sieben Jahre alten Kai und seiner fünfjährigen Schwester Lea angetan. Während der ersten halben Stunde trugen die Musiker sechs Gedichte von Wilhelm Busch vor, darunter „Die Schändliche“ sowie „Hund und Katze“. Anschließend leitete Dehmel die Lausbubengeschichten ein. „Bitte nicht nachmachen“, schärfte er den Zuhörern ein. Das wird auch kaum möglich sein.

Denn was Anton und die Sänger boten, war einzigartig. „Es ist noch tonal gebunden, aber dissonant“, erläuterte Bariton Clausen die Musik im Fachjargon. Anton formulierte dasselbe auf gut Deutsch: „Wo die Geschichte kraus wird, wird es auch von den Instrumenten her kraus.“ Eine Verschnaufpause mag es für manch einen Zuhörer gewesen sein, als Dehmel die Streiche vier, sechs und sieben sprechend vortrug. Anton spielte 37 Jahre lang, bis 1996, bei den Hamburger Philharmonikern Bratsche. Am Sonntag brachte er zwei besondere Instrumente mit: eine Viola d'amore, die durch zwei Lagen Saiten einen besonders großen Tonumfang aufweist, sowie eine Viola pomposa, die Anton selbst gebaut hat.

Sie ist größer und eine Oktave tiefer als eine übliche Bratsche gestimmt. Das Wilhelm-Busch-Konzert könnte übrigens bald noch einmal zur Aufführung kommen. Eine Anfrage aus Wilhelmshaven liegt dem Komponisten bereits vor.

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