Holocaust : Schatten auf deutscher Seele

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Eine feierliche Prozession zum stillen Gedenken an die Opfer, Kerzenlicht gegen das Vergessen und als Mahnung: Es war eine würdige Veranstaltung, zu der Kreispräsident Burkhard E. Tiemann am Freitag eine handverlesene Schar von Gästen in die Drostei geladen hatte, um 67 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an die Menschen zu erinnern, die unter der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten ihr Leben verloren.

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29. Januar 2012, 21:42 Uhr

Auschwitz! Das größte Vernichtungslager im Dritten Reich ist das Symbol schlechthin für die Nazi-Greueltaten und Hitlers perfide Tötungsmaschinerie. Mehr als eine Million Menschen, Juden, politisch Andersdenkende, behinderte Menschen, Homosexuelle, starben in den Gaskammern, in Folge von Misshandlungen, barbarischen medizinischen Experimenten, Unterernährung oder wurden erschossen.

Die Befreiung der wenigen Überlebenden durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 ist bis heute Anlass für Gedenkfeiern in allen Teilen der Republik. In der Drostei warnte Kreispräsident Tiemann davor, das „dunkelste Kapitel deutscher Geschichte“ zu vergessen. „Je weiter die Greueltaten zurückliegen, umso intensiver ist es unsere Pflicht, daran zu erinnern“, sagte der CDU-Politiker.

Noch immer sei das Ziel, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen in Deutschland frei und vor allem sicher leben könnten, nicht erreicht, so Tiemann, der damit auf die brutalen Morde der rechten Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ anspielte. Gleichzeitig erteilte Tiemann Forderungen, einen Schlussstrich unter die nationalsozialistische Vergangenheit zu ziehen, eine Absage. „Der Schatten von Auschwitz wird immer bleiben, nach Auschwitz ist nichts mehr wie vorher.“

Jüngsten Umfragen zu Folge teilen 56 Prozent aller Deutschen diese Meinung inzwischen wieder. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sind sogar 65 Prozent dagegen, mit der Vergangenheit abzuschließen. 1994 war das Ergebnis noch ein anderes. Damals waren 53 Prozent der Deutschen dafür, das Kapitel ad acta zu legen.

Elmshorns Bürgermeisterin Brigitte Fronzek erinnerte an die Verantwortung für die nachwachsenden Generationen. „All die wunderbaren Jugendlichen mit ihren Talenten, Träumen und Wünschen zu schützen“, sei die vordringlichste Aufgabe, und schon deshalb gelte es, gegen das Vergessen anzuarbeiten. Und weiter: „Es ist leicht, Hass zu predigen. Und es ist anstrengend, für die Würde des Einzelnen einzutreten. Aber das sind wir den Opfern schuldig“, sagte die Sozialdemokratin.

Eine nachdenklich stimmende Bilanz zog Propst Dr. Horst Gorski. „Im Augenblick sind einige Werte unserer Gesellschaft am Verdunsten“, sagte das geistliche Oberhaupt des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein. Das verunsichere viele Menschen, die dann empfänglicher für fundamentalistische Ansichten würden. Die Lösung des Problems sieht Gorski nicht allein im Rechtsstaat. Er schaffe lediglich die Hülle, ausfüllen müsse sie die Gesellschaft.

Zum Ende der Feierstunde las Kreispräsident Burkhard E. Tiemann aus dem Buch „Fundstücke: Mauern und Grenzen“ eine anrührende Geschichte von Reinhard Großmann. Danach zogen die Gäste in einer feierlichen Prozession aus der Drostei, um auf den Stufen der Eingangstreppe Kerzen abzustellen. Am Fuße versammelten sie sich zu einer letzten Gedenkminute.

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