Schleswig-Holstein Musik Festival : Scharf gewürzte Musik zwischen den Welten

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Das war Schleswig-Holstein Musik Festival wie es ursprünglich einmal gedacht war: Meisterliche Musik zu den Menschen auf dem flachen Lande gebracht, um deren Verständnis für Neues, Klassisches und sonst nie gehörte Klänge und Welten zu erschließen.

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23. Juli 2012, 20:56 Uhr

Im Haseldorfer Rinderstall führten das Blechbläser-Ensemble City Brass Stuttgart unter der Leitung des sympathischen Professors Wolfgang Bauer, Trompete, zusammen mit dem weltweit gefragten Komponisten, Saxophonisten und Flötisten Daniel Schnyder und der chinesischen Pipa-Solistin Yang Jing in für die meisten Zuhörer ganz neue Welten entlang der Seidenstraße mit einem kleinen Schlenker durch Europa nach China.

Das von Daniel Schnyder entworfene musikalische Gesamtkonzept verbindet Menschen über Grenzen, Religionen und Kulturen hinweg, spinnt mit seinen mystischen, sphärischen, folkloristischen, jazzigen und klassischen Klängen mit schillernden Seidenfäden in einen Kokon ein, in dem er nicht gefangen, sondern eingehüllt sich auf Überraschendes und Ungewohntes einlassen und konzentrieren kann.

Da geht es über spanische Klänge in die von den mit Sahara-Staub bedeckten Schweizer Alpen zu den Suffis in den vorderen Orient, die sich mit ihren wirbelnden Tänzen in eine andere Welt drehen, hört die persischen Rohrflöten, Trommeln aus Holz und Ton, riesige und ganz kleine Gongs. Und gelangt endlich nach China, ein Gebiet, das in seiner gesamten Geschichte gar keine Blechblasinstrumente kennt, aber seit dem dritten Jahrhundert die Pipa, das birnenförmige Saiteninstrument, das mit den Fingern oder einem Plektrum gespielt wird.

Hier überlässt Schnyder der zauberhaften Chinesin Yang Jing die Improvisation ihrer Solis und die rast mit den Händen über die vier Saiten und unterschiedlich langen Stege des kostbar ausgestatteten Instruments, entlockt ihm Melodienfolgen, die ganz fern von den klassischen hiesigen Regeln mit den freien, grenzüberschreitenden Klängen der Blechbläser und dem genialen Schlagzeuger Eckhard Stromer korrespondieren.

Ein bisschen China, ein bisschen Orient, ein bisschen Europa und ganz viel Meta Ebene, von der nur wohlwollend eine scharf gewürzte Multi-Kulti-Musik erfrischend in die Gesichter der vielen Zuhörer geblasen wird. Und so sprühte das Publikum vor Begeisterung. Umgekehrt lag die Begeisterung nach dem Konzert bei den Künstlern. Die Herzlichkeit des Dankes von Udo Prinz von Schoenaich-Carolath machten den Abend laut Wolfgang Bauer zu einem „ganz besonders einmaligen und sehr eindrucksvollem persönlichen Erlebnis“.

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