Bücherei Appen : Runder Tisch schon im Oktober?

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Wenn Jutta Kaufmann in der Gemeindebücherei Dienst hat, ist sie selten allein. Das ständige Kommen und Gehen ist Teil ihrer Arbeit: Ältere Herrschaften suchen ebenso nach Werken ihrer Lieblingsautoren wie junge Mütter und Väter mit kleinen Kindern oder gar Jugendliche. Ein eher gemächliches Treiben, dem nur die Pausenglocke ein Ende bereiten kann!

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14. September 2012, 21:33 Uhr

Dann allerdings ändert sich das Bild nachhaltig. Wie ein Schwarm Bienen fallen die Schulkinder in die beiden Räume ein, lassen sich auf jedem freien Stück Fußboden nieder, fangen an zu lesen, Sammelkarten zu tauschen oder einfach auszuruhen. Für Jutta Kaufmann ist dieses Bild inzwischen so sehr Alltag, dass sie auf ihrem Weg zwischen den Regalen hindurch wie selbstverständlich über die Kinder steigt, ohne eines von ihnen zu treten oder gar zu stören.

Und doch weiß sie um den Zauber, der von diesem mehrfach am Schultag wiederkehrenden Ritual ausgeht. Bis zu 60 Kinder, die sich auf dem Fußboden lümmeln, zwischen kreuz und quer liegenden Büchern auf Regalen, Tischchen, in Kartons und Körben, auf dem Boden! Dieses Bild prägt sich ein, es erzählt von der Liebe der Kinder zu ihrer Jutta Kaufmann und ihrer Bücherei.

Hier geht es um mehr als darum, Literatur auszuleihen oder zu lesen. In diesen Räumen steht die Zeit still, die Atmosphäre ist warm, vertraut, zugewandt, ohne jede Hektik. Hier darf man einfach sein, wird angenommen! Und wird obendrein höchst kompetent beraten, denn Jutta Kaufmann kennt jedes der etwa 10000 Bücher.

So erklärt sich auch der Sturm der Entrüstung nach Bekanntwerden des SPD-Antrages. Darin wird gefordert, die Bücherei ab kommendem Mai, wenn Jutta Kaufmann in den Ruhestand geht, mit einer ehrenamtlichen Kraft und ausschließlich als Schulbücherei zu betreiben (UeNa berichteten). Die Bürger haben Angst um die Bücherei, werden bei einer Entscheidung über deren Zukunft mitreden wollen. Aus dem SPD-Vorstoß ist ein brisantes Thema geworden. Nun sollen zunächst die Fraktionen von CDU, FDP und SPD beraten. Ausschussvorsitzende Heidrun Osterhoff (FDP) kündigte zudem einen Runden Tisch an, was Jutta Kaufmann ausdrücklich begrüßt. „Was diese Bücherei für viele Menschen ist, muss man erleben“, sagte sie. Dabei wird sie auch Zahlen nennen, etwa die von 14000 Entleihungen, die sie schon seit Jahren verzeichnet. 6500 Kinderbücher türmen sich in der Bücherei, dazu kommen 3500 Bücher für Erwachsene, die sie im Laufe der vergangenen 25 Jahre mithilfe von Bürgern gesammelt hat.

Auch Heidrun Osterhoff möchte die Bücherei erhalten. Allerdings mahnte sie gestern auch zur Besonnenheit. „Bis Ende Mai ist noch ausreichend Zeit, wir haben keine Eile“, sagte sie. Voraussichtlich in der zweiten Oktoberhälfte würde sie gerne zum ersten Abstimmungsgespräch bitten, das wäre noch rechtzeitig vor den Haushaltsberatungen, die am 6. November beginnen.

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