Studie : Rossmann fordert nationalen Pakt gegen Analphabetismus

Analphabetismus in Deutschland ist, entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, noch immer weit verbreitet. Auch in Deutschland betrifft das Schicksal, nicht richtig oder gar nicht lesen und schreiben zu können, 7,5 Millionen Menschen. Das sind 14,5 Prozent unserer Gesamtbevölkerung.

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11. September 2011, 21:40 Uhr

Zu diesem Ergebnis ist die Studie „leo.-Level-One-Survey“ der Universität Hamburg im Rahmen eines laufenden wissenschaftlichen Forschungsprojektes gekommen. Der betroffene Teil der Bevölkerung kann zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, nicht jedoch zusammenhängende Texte. Damit ist das Lesen von Arbeitsanweisungen, behördlichen Dokumenten, Zeitungen oder Büchern, faktisch unmöglich. Die Betroffenen leben in einer Grauzone, denn die meisten von ihnen haben einen Job und müssen sich täglich durch den Alltag leiten, ohne dabei etwas lesen oder schreiben zu können. Diese Ergebnisse nimmt der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Dieter Rossmann zum Anlass und fordert einen nationalen Grundbildungspakt zur Bekämpfung des Analphabetismus. „Wir als SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag werden die Themen Grundbildung und Alphabetisierung auf die bildungspolitische Agenda setzen. Wir können es uns einfach nicht erlauben, weiter wegzuschauen.“ Rossmann kritisiert die Bundesregierung, die zwar den Anspruch habe, Deutschland zu einer Bildungsrepublik zu machen, jedoch die Augen vor den Problemen der Menschen verschließe. Rossmann betonte, dass ganze Teile der Bevölkerung aus dem gesellschaftlichen Leben nahezu ausgeschlossen seien, wenn es nicht gelänge, diese Menschen mit Hilfen und Qualifizierungsangeboten zu unterstützen. Gleichzeitig forderte Rossmann eine Medienkampagne, der er den Titel „Alpha-Offensive“ verlieh. „Analphabetismus darf nicht länger ein Stigma sein. Die Betroffenen müssen sich trauen, aus ihrer Anonymität herauszutreten und entsprechende Angebote wahrzunehmen.

Zudem sieht Rossmann auch einen Bedarf, das Berufsbild des Grundbildungspädagogen auszubauen und eine Aufstockung der Förderung des Bundes auf 20 Millionen Euro. Das Land Schleswig-Holstein forderte er auf, analog zu anderen Bundesländern klare Rechtsgrundlagen zur Alphabetisierung zu schaffen. „Das Land muss endlich seine Hausaufgaben machen.“

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