Ensemble Merlini : Rosenfest Uetersen: Wo Telemann auf von Ahlefeldt trifft

Das Ensemble Merlini wird am 1. Juli musizieren.
Das Ensemble Merlini wird am 1. Juli musizieren.

Ein Kammermusikalisches Komponistenporträt. Konzert am Sonntag im Kloster als Finale des Rosenfests.

shz.de von
26. Juni 2018, 15:00 Uhr

Uetersen | Das Ensemble Merlini, bestehend aus Sängern, Bläsern, Streichern und basso continuo wurde vor 18 Jahren von Petra Bensieck gegründet. Anfangs ausschließlich aus Knabensopranen und zwölfjährigen Musikanten bestehend, entwickelte es sich schnell zu einem aufeinander eingespielten Consortium. Am kommenden Sonntag, 1. Juli, ist es im Rahmen des Rosenfests von 17 Uhr an in der Gräfin-Bredow-Scheune im Uetersener Klosterbezirk zu Gast. Eintrittskarten zum Preis von 20 Euro gibt es an der Nachmittagskasse.

Renaissance und Barock

Zum Programm des Ensembles gehören Werke der deutschen, italienischen und spanischen Renaissance und des Barock. Sie erspielten sich 2001 und 2004 zwei erste Bundespreise in der Kategorie Alte Musik bei Jugend Musiziert. Bald danach führten die Musiker Konzertreisen zum Beispiel in den Ratzeburger Dom, nach Bad Doberan und in die Berliner Gedächtniskirche. Sie lernten dabei die großen Kathedralen der Backstein-Gotik kennen. Auch musizierten sie mehrfach in den Schlössern Schwerin und Ludwigslust. Alle zwei Jahre wandelt das Ensemble musikalisch auf den Spuren Benedikt von Ahlefeldts im Jersbeker Barockpark. Und der ist auch in Uetersen gut bekannt.

Von Ahlefeldt (1678 bis 1757) war Gutsherr der holsteinischen Güter Jersbek und Stegen, mäzenatischer Direktor der Hamburger Oper, Erbauer des berühmten Jersbeker Barockgartens sowie Klosterprobst des Adeligen Klosters Uetersen von 1732 bis zu seinem Tode 1757. Er erbaute 1739 ein Gartenhaus, das den Mittelpunkt der Hofhaltung in Jersbek einnahm. Komponisten der Hamburger Gänsemarktoper wie Reinhard Keiser, Filippo Finazzi, Georg Philipp Telemann und der Dichter Friedrich von Hagedorn führten dort Lesungen, Opern und Konzerte auf. 1732 wurde er von der Priörin und den Konventualinnen des adeligen Klosters Uetersen zu deren Klosterprobst gewählt. Er ließ das heute noch bestehende Probsteigebäude 1733/1734 und die Klosterkirche auf dem Gelände errichten. Finazzi weihte die Kirche 1749 musikalisch ein.

Von Ahlefeldt leitete die Oper damals gemeinsam mit Georg Philipp Telemann. Der wirkte in Hamburg auch als „Director Musices“ der fünf Hauptkirchen Hamburgs sowie des Johanneums. 2011 eröffnete die Hamburger Telemann-Gesellschaft in der Peterstraße 31 das weltweit erste Telemann-Museum. Seit 2011 unterstützte das Ensemble Merlini mit Konzerten und Aktivitäten die Entwicklung des musealen Musikerbereichs an der Peterstraße.

Gesellschaftskritik und politische Szenen

Die Verbindung von Hamburg nach Uetersen haben die Musiker nun genutzt, ihrem Konzert eine ganz besondere Überschrift zu verleihen. „Telemann besucht Probst Ahlefeldt in Uetersen“ lautet dieses griffig. Das kammermusikalische Portrait ist bestückt mit humorvollen, gesellschaftskritischen, politischen und menschenbeobachtenden Szenen.

Unter anderem interpretiert wird eine Sinfonie von Finazzi. Zu Triosonaten und einem von Telemanns berühmten zwölf Pariser Quartetten werden Teile aus „Die Tageszeiten“ mit Gesang und Instrumenten dargeboten. Auch seine Lieder über das Geldverdienen oder die Frauen werden erklingen.

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