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Uetersener Nachrichten

11. Dezember 2017 | 10:53 Uhr

Eurokrise : „Rosen können wir besser“

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Eins steht fest: Professor Dr. Hans-Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags sowie geschäftsführender Gesellschafter der Köllnflockenwerke, mag zwar den Nana-Mouskouri-Hit „Weiße Rosen aus Athen“. „Aber Rosen können wir besser“, sagte er am Donnerstag im Appener Bürgerhaus während einer Podiumsdiskussion über die Eurokrise.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2012 | 21:16 Uhr

Doch reicht das Besser-können aus, damit Deutschland den internationalen Schuldenstrudel unbeschadet übersteht? Nach Driftmanns Einschätzung nicht ganz. Er betonte zwar, dass es der deutschen Wirtschaft gut gehe. Obwohl das Wachstum von drei auf ein Prozent geschrumpft ist, seien weder Entlassungswellen noch Steuereinbrüche zu befürchten. „Es wird weniger Arbeitslose geben“, prognostizierte der 64-Jährige. Er betonte aber: „Wir müssen auch denen helfen, denen es schlecht geht. Wenn sie untergehen, sind die Rückwirkungen auf unsere Gesellschaft so groß, dass wir es nicht hinnehmen können.“ Immerhin hätten viele deutsche Unternehmen und Banken in Griechenland investiert.

Mehr als 160 Zuhörer verfolgten die Diskussion mit drei Experten aus der Wirtschaft, dem Bankwesen und der Politik zu der Frage „Machen die Schulden Europa kaputt?“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Christian von Boetticher sprach mit Driftmann, Ursula Schwedler, Vorstandsmitglied der Sparkasse Elmshorn, und dem Europa-Abgeordneten Reimer Böge. Driftmann warnte davor, die Schuld für die Krise allein den Banken zuzuschieben. Die Politik stehe in der Pflicht, Spielregeln aufzustellen und deren Übertreten zu bestrafen. „Wir brauchen schärfere Sanktionsmechanismen“, sagte er.

Böge wiederum nahm die Politik in Schutz. „Man hat Griechenland in die EU aufgenommen, um die Region zu stabilisieren“, erläuterte er. Erst im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass die Politik dabei mit falschen Zahlen getäuscht wurde. Trotzdem gelte: „Ein Rausschmiss ist nicht vorgesehen.“ Der Staat müsse aber neu aufgebaut werden. Als Ausweg aus der Krise beschrieb Schwedler einen Weg: „Die Belastung in den Staaten runterfahren, die Einnahmen steigern. Die Bürger dürfen nicht mit noch mehr Steuern belastet werden“, sagte sie.

Von Butterkeksen und vergesslichen PolitikernGlobalisierung ist, wenn griechische Schulden das Appener Bürgerhaus füllen. Dass umgekehrt deutsche Tugenden in Schuldenstaaten Einzug halten, forderte Professor Dr. Hans-Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, am Donnerstag in Appen. Die Eurokrise lasse sich überwinden.

„Das setzt aber voraus, dass unsere Prinzipien auch für die anderen gelten. Da hat die Bundesrepublik einiges zu bieten“, sagte er während einer Podiumsdiskussion zum Thema „Machen die Schulden Europa kaputt?“.

Deutschland könne auf zwei Instrumente zurückgreifen, um die eigene Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen: die Industrie und den Mittelstand. Letzterem gehören 90 Prozent der rund 3,6 Millionen Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer an. „Sie können es sich leisten, Verzicht zu üben, da sie familiengeführt sind“, sagte er. Auf Kredite müssen deutsche Firmen aber trotz Krise nicht verzichten. „Wir haben eine voll funktionierende Bankenlandschaft in Deutschland“, sagte Ursula Schwedler, Vorstandsmitglied der Sparkasse Elmshorn.

Das Kreditvolumen in Deutschland sei inzwischen auf 400 Milliarden Euro angestiegen. Die Finanzierung habe sich allerdings von Großbanken auf regionale Geldinstitute verlagert. Für Schmunzeln sorgte die Frage von Moderator Christian von Boetticher, ob Politiker mit Geld umgehen können. „Politiker können sehr wohl mit Geld umgehen, aber die Kriterien haben nicht so gegriffen, wie sie sollten“, antwortete Schwedler dem CDU-Landtagsabgeordneten. Driftmann formulierte spitz: „Politiker können prinzipiell mit Geld umgehen, aber sie denken nicht so oft daran.“

Das Gegenteil bewiesen an dem Abend die Gastgeber und Landtagsabgeordneten Michael von Abercron und Barbara Ostmeier. Die Christdemokraten gaben den Besuchern Butterkekse mit auf den Weg. Die Zuckerglasur stellte eine Euromünze dar. (jhf)

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