Handball : Risch nicht mehr TuS-Trainer

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Paukenschlag bei den Handballern des TuS Esingen: Markus Risch ist nicht mehr Trainer der 1. Männer. Wie Jan-Henning Himborn, Sportlicher Leiter der TuS-Handballer, erst am gestrigen Donnerstag bekanntgab, trat Risch bereits am 2. Weihnachtsfeiertag von seinem Traineramt zurück. Drei Tage zuvor hatte Himborn in einem langen Telefonat Risch davon unterrichtet, dass nach Ansicht der Spieler das Vertrauensverhältnis zum ihm gestört sei.

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08. Januar 2015, 19:03 Uhr

Markus Risch hatte das Traineramt erst im Juli 2014 von Jan-Henning Himborn, der seither als Co-Trainer fungierte, übernommen. Nun schlüpft Jan-Henning Himborn bis zum Saisonende wieder in die Rolle des Cheftrainers – und nahm sich Zeit für ein Interview mit den UeNa ...

UeNa: Wie kam es aus Ihrer Sicht zum Trainerwechsel? Jan-Henning Himborn: „Es gab leider Probleme zwischen der Mannschaft und Markus Risch. Deshalb wurden während der Saison schon einige Gespräche geführt. Vor Weihachten wollte ich wissen, warum zuletzt die Leistungen nicht mehr gestimmt haben. Deshalb haben sich die Spieler an einen Tisch gesetzt und Klartext gesprochen. Danach hat mir der Mannschaftsrat deutlich mitgeteilt, dass das Team kein Vertrauen mehr zu Risch hat und keine gemeinsame Basis mehr sieht. Ich hatte nicht erwartet, dass die Probleme so gravierend sind ...“

UeNa: Haben Sie Risch daraufhin dann entlassen? Himborn: „Nein. Es war für mich nicht leicht, mit Risch darüber zu reden. Und ich habe ihm nicht gesagt, dass der Verein sich von ihm trennen will, sondern ihn einen Tag vor Heiligabend in einem langen Telefonat über die Vorbehalte der Mannschaft unterrichtet. Risch hat mir dann am 2. Weihnachtstag mitgeteilt, dass er ohne das Vertrauen der Spieler keine Arbeitsgrundlage mehr sieht, und seinen Rücktritt erklärt. Er ließ auch durchblicken, dass er, wenn wir das erste Spiel im neuen Jahr gegen den SC Alstertal-Langenhorn verloren hätten, selbst über einen Rücktritt nachgedacht hätte. Diese Partie ist aber zu wichtig, als dass wir es riskieren könnten, sie in den Sand zu setzen ...“

UeNa: Was hat Risch Ihrer Meinung nach falsch gemacht? Himborn: „Risch ist ein extremer Verfechter des Tempospiels. Ich habe immer gesagt, dass wir zunächst einmal eine vernünftige Abwehr benötigen, um seine Vorstellungen umsetzen zu können. Natürlich war ich nicht zufrieden damit, dass wir in vier der letzten fünf Partien vor Weihnachten jeweils mehr als 30 Gegentreffer kassiert haben – das war eindeutig zu viel und über einen längeren Zeitraum nicht kompensierbar. Wir können nicht immer 40 Tore werfen, um uns zu behaupten – so hätten wir sicher noch einige Spiele, aber nicht die Meisterschaft gewonnen ...“

UeNa: Vor einem guten halben Jahr haben Sie selbst Risch als Trainer ausgesucht – warum hat es nicht gepasst? Himborn: „Das ist eine gute Frage. Ich selbst habe gar kein Problem mit Markus Risch und er ist auch kein schlechter Trainer – die eben angesprochenen taktischen Dinge hätten wir hinbekommen, ich als Co-Trainer hätte mich zum Beispiel intensiver um die Abwehrarbeit kümmern können. Wenn ein oder zwei Spieler nicht mit dem Trainer zurechtkommen, können sie den Verein verlassen oder zu den 2. Herren gehen. Aber ich kann keinen Trainer gegen 99 Prozent der Mannschaft durchboxen – wenn die Spieler sagen, dass sie ihrem Coach nicht mehr vertrauen und den Spaß am Handball verloren haben, dann muss gehandelt werden.“

UeNa: Trotz der angesprochenen Probleme hat Esingen als Tabellen-2. nur zwei Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter AMTV Hamburg ... Himborn: „Das stimmt, aber die letzten Spiele waren alles andere als optimal – vor allem, was unsere Deckungsarbeit betraf. Wir haben viel zu viele Gegentore kassiert und es gerade im letzten Spiel des Jahres versäumt, einen direkten Konkurrenten auf vier Punkte zu distanzieren, als wir beim HT Norderstedt deutlich mit 29:37 verloren haben.“

UeNa: Wie wurde die Nachfolge von Risch geregelt? Himborn: „Ich werde die Traineraufgaben bis zum Saisonende übernehmen. Dabei unterstützt mich mein Bruder Nils-Oliver, der sich als Spieler zurücknehmen wird, als Co-Trainer. Parallel dazu werden wir intensiv daran arbeiten, für die kommende Saison ein neues Trainerteam zu finden!“

UeNa: Gibt es die Möglichkeit, dass Sie über das Saisonende hinaus Cheftrainer bleiben? Himborn: „Eigentlich nicht. Zum einen wird es jetzt schon stressig für mich, weil ich ja auch noch die 1. und 2. Frauen trainiere sowie Co-Trainer bei der weiblichen B-Jugend bin. Aber wir haben es sichergestellt, dass ich bei allen Spielen dabei sein kann, und Ende März ist die Saison vorbei – das ist also ein überschaubarer Zeitraum von nicht einmal drei Monaten. Zum anderen hatte ich die Mannschaft ja im Sommer abgegeben und Risch installiert, um frischen Wind hereinzubekommen – und ich bin weiterhin der Meinung, dass die Spieler diesen frischen Wind brauchen ...“

UeNa: Wie schätzen Sie die Esinger Chancen im Kampf um die Meisterschaft und den Aufstieg in die Oberliga ein? Himborn: „In der Spitzengruppe der Hamburg-Liga geht es momentan enorm eng zu. Wir haben noch sechs Heimspiele, unter anderem gegen unsere direkten Konkurrenten Alstertal-Langenhorn sowie AMTV Hamburg, und müssen nur noch viermal auswärts antreten. Unsere Ausgangsposition ist also so schlecht nicht, wir haben alle Möglichkeiten. Klar ist, dass die Mannschaft jetzt in der Pflicht steht. Die Spieler müssen jetzt zeigen, dass es zuletzt wirklich am Trainer lag, dass sie nicht den Handball gespielt haben, den sie eigentlich spielen können. Ich habe den Spielern gesagt, dass sie jetzt bis zum Saisonende keine Partie mehr verlieren dürfen. Und wenn es spielerisch nicht läuft, müssen wir kämpfen bis unter die Dusche. Dadurch, dass in dieser Saison die SG Hamburg-Nord, die HG Hamburg-Barmbek und der TV Fischbek in der Oberliga spielen, haben wir eine einmalige Chance, Hamburger Meister zu werden – und die gilt es, zu nutzen!“

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