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Betriebssanierung : Rettungsversuch für Strobel

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Lange galt das Unternehmen als Musterknabe in der Branche, ein nachhaltig wirtschaftender Vorzeigebetrieb, überhäuft mit Preisen. Jetzt hat die Baumschule BKN Strobel mit Sitz in Holm und Wurzeln in Pinneberg und Rellingen Insolvenz angemeldet. Betroffen sind 82 Mitarbeiter, deren Gehälter allerdings zumindest bis Ende November gesichert sind. Die Zahlungen erfolgen aus dem Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit.

Die Insolvenzverfahren, die voraussichtlich am 1. Dezember eröffnet werden sollen, betreffen sowohl den Pflanzenhandel als auch die Pflanzenproduktion. Beide Betriebe sind Bestandteil der Unternehmensgruppe BKN Strobel und hatten bereits am Freitag beim Amtsgericht Pinneberg einen Insolvenzantrag gestellt.

Ursache für die finanzielle Schieflage der renommierten Baumschule ist die Pleite der Baumarktketten Max Bahr und Praktiker, wie Vertriebs- und Geschäftsleiter Hajo Steinmeyer gestern bestätigte. Offenbar gelang es nicht, die dadurch ausgelösten Umsatzeinbrüche zu kompensieren.

Bereits vor knapp zwei Jahren begann die Unternehmensführung mit dem Abbau von Stellen in Folge zunächst des Marktaustritts der Max Bahr-Praktiker-Gruppe und später der Ukraine-Krise.

BKN Strobel zählt zu den europaweit führenden Sortimentsbaumschulen für Containerpflanzen und Rosen, beliefert sowohl den Einzel- als auch den Großhandel. Auch das Unternehmen Hagebau gehört seit 20 Jahren zum Kundenstamm. 80 Prozent des Umsatzes generiert die Unternehmensgruppe auf dem innerdeutschen Markt.

Insolvenzverwalterin Jennie Best von der Hamburger Kanzlei Reimer glaubt dennoch, dass eine Sanierung mit Erhalt aller 82 Arbeitsplätze gelingt. „BKN Strobel besitzt mit seinen hoch modernen und nachhaltigen Produktionsverfahren einen ausgezeichneten Ruf in der Branche“, sagte sie. Sie sei deshalb zuversichtlich, rasch eine Lösung für „den angesehenen Traditionsbetrieb zu finden“.

Zurzeit verschafft sich die Rechtsanwältin einen Überblick über die Vermögenslage der Unternehmensgruppe, in den nächsten Tagen sollen bereits erste Gespräche mit möglichen Investoren beginnen.

Hintergrund: Die Baumschule BKN Strobel ist ein Familienunternehmen mit einer mehr als 80-jährigen Geschichte. Das Unternehmen entstand in seiner heutige Form 1987 durch die Fusion der Pinneberger Baumschule Strobel und des Rellinger Betriebes Baumschulen Kontor Nord. 2002 zogen Vertrieb und Produktion nach Holm. Bei der Konzeptionierung der gesamten Anlage, die mitten im Landschaftsschutzgebiet und am Rande eines Naturschutzgebietes liegt, spielten ökologische Standards eine wesentliche Rolle. Vor allem für sein hochmodernes Wassermanagement wurde Strobel immer wieder gelobt. Der Jahresbedarfs des Betriebes von etwa einer Viertelmillion Kubikmeter wird einem geschlossenen Wasserkreislauf entnommen. Ein Baustein ist das Regenwasser, das aufgefangen und weiter verwendet wird. Dafür bekam Strobel 2003 einen Umweltpreis. 2006 wurde das Unternehmen zur besten Baumschule des Jahres gekürt, 2009 gab es einen Preis als „Unternehmen mit Weitblick“ vom Bundesarbeitsministerium.

Die Nachricht von der Insolvenz hat in Holm Bedauern ausgelöst. „Wir hoffen jetzt, dass der Betrieb aufgefangen wird“, sagte Bürgermeister Walter Rißler. Im Ranking der Gewerbesteuerzahler liegt die Baumschule BKN Strobel im Mittelfeld. Kein ganz großer, aber auch kein kleiner, so Rißler gestern. cel

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erstellt am 29.Sep.2015 | 22:05 Uhr

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