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Uetersener Nachrichten

18. Dezember 2017 | 12:24 Uhr

Ruhm : Rettungsschwimmer, der zum Helden wurde

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Er war lange einer der Stars der DLRG Uetersen-Moorrege (heute Region Uetersen), wurde in der Seniorenklasse Weltmeister der Rettungsschwimmer und kommt in einem Buch zu Wort: Manfred Winklers Geschichte ist reich an erzählenswerten Erlebnissen.

shz.de von
erstellt am 21.Jul.2013 | 21:11 Uhr

Bis heute herausragend allerdings ist eine Tat, die inzwischen zehn Jahre zurückliegt, einen enormen Medienrummel um seine Person auslöste und ihn zum „Menschen des Jahres 2003“ machte. Am 19. Juli 2003 zog Manfred Winkler innerhalb weniger Stunden acht Menschen aus der Nordsee vor Sylt und rettete ihnen damit das Leben. Und als wäre das noch nicht genug, gelang dem durchtrainierten Schwimmer dabei das Kunststück, fünf Menschen auf einmal aus einer tückischen Strömung an den sicheren Strand zu bringen. In diesem Monat sitzt der gebürtige Uetersener wieder am Strand von Westerland, versieht dort wie in den vergangenen 15 Jahren auch mehrere Wochen lang seinen hochsommerlichen Dienst als Lebensretter. Dafür spart der Polizist, der in Pinneberg als Verkehrserzieher und in der Prävention arbeitet, seine Überstunden auf.

Er tut das aus Überzeugung für die Notwendigkeit seines Jobs, weil er es gut kann und weil er die Insel Sylt liebt. Das Wasser ist sein Element, darauf und darin tummelt sich der Leistungssportler von Kindesbeinen an. Er paddelt, surft, ist Wellenreiter, herausragender Schwimmer und lebt seit einigen Jahren nur folgerichtig auch auf dem Wasser: in einem Hausboot auf einem Kanal in Hamburg.

Bislang war der Juli auf Sylt ein ruhiger Monat, Winkler hat Zeit, sich an die Vorgänge vor zehn Jahren zu erinnern. Unter denen, die er damals vor dem sicheren Tod rettete, gehörten auch der Flensburger Banker Jörg Petersen und seine damals sieben Jahre alte Tochter Nele. Das Kind war beim Baden in eine gefährliche Strömung geraten und aufs offene Meer gezogen worden. Ihr Vater schwamm hinterher, um seine Tochter zu retten, aber als er Nele schließlich erreichte, verließen ihn die Kräfte.

Auf den verzweifelten Kampf von Vater und Tochter wurde einer der wenigen Strandbesucher an diesem frühen Morgen aufmerksam, ein damals 68-jähriger Mann, topfit und ein guter Sportler. Auch er rannte zum Wasser, schwamm auf Vater und Tochter zu, konnte Nele noch fassen, kam dann aber nicht mehr zurück an den Strand. Genau in diesem alles entscheidenden Augenblick tauchte Manfred Winkler auf, ein unglaublicher Zufall. „Ich hatte Dienst an diesem Morgen, war aber eine Stunde zu früh, weil ich surfen gehen wollte“, sagte er. Er realisierte sofort, was sich da weit entfernt vom Strand abspielte, holte eine „Rettungswurst“ und stürzte ins Wasser. Als er das entkräftete Trio schließlich erreichte, trieb Petersen bereits bewusstlos im Wasser, seine Körpertemperatur war auf 32 Grad gesunken, wie der Notarzt später festellte. Es war buchstäblich eine Rettung in letzter Sekunde.

Auf dem Rückweg nahm Winkler, der zu dem Zeitpunkt mehr als 200 Kilogramm schleppte, auch noch zwei junge Frauen in seine Obhut, konnte sich dabei aber schon von einem weiteren Helfer an Land unterstützen lassen. Die Frauen waren ebenfalls beim Versuch zu helfen in Not geraten.

Der Athlet, der heute noch fünf Mal in der Woche Sport treibt und die Anforderungen der DLRG an die Fitness ihrer Rettungsschwimmer nach wie vor spielend erfüllt, erinnert sich bis heute auch an die bange Frage, die ihn beim Anblick der hilflosen Badegäste überfiel. „Ich sah die drei Leute und habe gedacht: Wie soll ich die bloß alle rausziehen.“

Für den erfahrenen Retter aber nicht mehr als eine Bruchteile von Sekunden dauernde innere Zwiesprache. Und dann reagierte er – routiniert, überlegt und souverän. Und so rechtzeitig, dass keiner der fünf Urlauber einen bleibenden Schaden davon trug. Manfred Winkler trat danach seinen Dienst im Häuschen der DLRG offiziell an und rettete im Laufe der folgenden Stunden drei weitere Menschen aus den Fluten.

„An dem Tag hatte sich an einer Buhne (Anm. der Red.: in das Meer hineingebauter Damm aus Holz oder Steinen, um die Küste zu schützen) eine gefährliche Strömung gebildet.“ Die auch er gegen sich hatte bei der frühen Rettungsaktion! Er ließ sich deshalb mit den Schwimmern auf das Meer hinaustreiben und umschwamm die Strömung anschließend. Auch für einen wie ihn, der viel Erfahrung besitzt, ein physischer wie psychischer Kraftakt! Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Sein Einsatz sollte ihm Heldenstatus bescheren und ihn zur öffentlichen Person machen. Der Medienrummel, der nach der spektakulären Rettungsaktion einsetzte, war riesig. Und er bescherte ihm zwei Mal ein Wiedersehen mit dem Flensburger Jörg Petersen. Vor zwei Jahren trafen sich beide erneut auf Sylt. Eingeladen hatte das ZDF, das die Rettung für die Serie „TerraX“ nachstellen wollte. Die zweite Begegnung nach dem Unglück ist deutlich denkwürdiger. Petersen hatte an einer Flensburger Tankstelle sein Portemonnaie liegen lassen. Der Finder suchte nach Hinweisen auf den Besitzer und fand in der Börse die Telefonnummer von Manfred Winkler. Der half noch einmal, suchte drei Tage lang nach Jörg Petersen, um ihn schließlich zu finden und ihm eine Frage zu stellen: „Warum hast Du nach so vielen Jahren noch meine Telefonnummer in Deinem Portemonnaie?“ Die Antwort kam prompt: Die Nummer sei sein Glücksbringer, antwortete der Flensburger. Auch eine Art, sich bei seinem Lebensretter zu bedanken!

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