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Uetersener Nachrichten

19. Oktober 2017 | 00:17 Uhr

Bilanz : Rentner in der Schuldenfalle

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Bilanz ist seit Jahren unverändert: Immer mehr Menschen nehmen das Beratungsangebot der AWO-Schuldnerberatung wahr, der steigende Bedarf führt wegen der Überbelastung der Mitarbeiter zu Wartezeiten von bis zu acht Wochen.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 19:02 Uhr

Erstmals in der Geschichte der Einrichtung verändert sich allerdings die Klientel: Immer mehr Rentner sind von Überschuldung betroffen, eine Gruppe, die lange als finanziell abgesichert galt. Die Mitarbeiter der Schuldnerberatung stellt das vor eine Aufgabe, die nur politisch gelöst werden kann

„Bei diesen Menschen ist finanzielle Unerfahrenheit nicht der Grund“, sagte Michael Danker, Leiter der Schuldnerberatung gestern vor Journalisten. Auch auf einen teuren Lebenswandel sei der finanzielle Absturz nicht zurückzuführen.

Vielmehr führten steigende Lebenshaltungskosten, der Tod des Partners, eine ohnehin kleine Rente und der Verlust eines Minijobs aufgrund körperlicher Einschränkungen die Senioren in die Verschuldung. Das Thema Altersarmut rückt weiter in den Mittelpunkt. „Bei dieser Gruppe kann man mit den Lösungsansätzen der klassischen Schuldnerberatung nichts ausrichten“, so Mechtild Kuiter-Pletzer, Schuldnerberaterin aus Schenefeld. Nicht nur für die Betroffenen eine frustrierende Situation, auch für die Berater ungewohnt. Nicht helfen zu können, so Kuiter-Pletzer, müsse man aushalten.

2012 pendelten sich die Zahlen in etwa auf Vorjahresniveau ein. Knapp über 5000 Beratungsanfragen erreichten die Fachleute, 3336 Mal kam es zu einer Basisberatung per E-Mail, Telefon oder Fax (Vorjahr: 3456), 1668 Intensivberatungen, die dann auch aktenkundig werden, führten die Mitarbeiter durch (1574). In 1230 Fällen ging es um eine umfassende Schuldnerberatung (1137), in 438 Fällen um eine Insolvenz (437).

Wie dramatisch sich die Zahlen über einen längeren Zeitraum entwickelt haben, zeigt ein Vergleich mit 2005. „In unserem Jubiläumsjahr (Anm. d. Red.: 20 Jahre AWO-Schuldnerberatung) hatten wir 1160 Beratungsanfragen, heute sind es über 5000. Das entspricht einer Vervierfachung“, sagte Michael Danker.

Hinzu kommt, dass die Problematiken der Hilfesuchenden komplexer geworden sind. „Viele kommen heute mit einem Betreuer und einer psychischen Auffälligkeit und haben oft eine lange Verschuldungsgeschichte“, sagte Beraterin Tina Rehder.

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