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Uetersener Nachrichten

19. Oktober 2017 | 16:43 Uhr

Pinneberg-Heim : Reißt der KJR das Ruder rum?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Andreas Dirbach will dem Untergang des Pinneberg-Heims nicht tatenlos zusehen. „Wir suchen das Gespräch. Wir wollen wissen, unter welchen Bedingungen die Fraktionen bereit sind, das Heim weiterzubetreiben“, sagte der Vorsitzende des Kreisjugendrings (KJR) Pinneberg den UeNa.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2012 | 18:15 Uhr

Dem Ferienheim des Kreises Pinneberg an der dänischen Ostseeküste mit 38 Betten droht die Schließung. Der Ausschuss für Schule, Kultur und Sport empfahl dem Kreistag, das Gebäude in Hejsager nicht länger zu pachten. Der Vertrag läuft zum 31. Dezember 2013 aus. Ein neuer Pächter ist nicht in Sicht. Eine jahrzehntelange Tradition günstiger Jugendfreizeiten könnte bald Geschichte sein.

Der Vorstoß, den Vertrag nicht zu verlängern, kam von der FDP. Gunnar Werner begründete seinen Antrag mit den Kosten: „Es wurde mehrfach versucht eine Lösung zu finden, um den Betrieb selbsttragend zu gestalten. Dies ist bis heute nicht gelungen.“ Nach Angaben von Kreissprecher Marc Trampe schießt der Kreis jährlich 35000 Euro zu. Für Instandhaltungen steht pro Jahr ein Betrag von 10000 Euro bereit. 2005 übertrug der Kreis den Heimbetrieb an den KJR. Der senkte die Verwaltungskosten. Außerdem verzichtet die dänische Kommune Hejsager seit 2012 auf die Grundsteuer von jährlich fast 8000 Euro. „Wir operieren aber momentan am Limit“, so Dirbach. Dänemark sei teuer. Der Mindestlohn für eine Putzkraft betrage 17,50 Euro.

Die Übernachtungspreise bewegen sich dagegen auf niedrigem Niveau. Jugendliche zahlen in der Hauptsaison inklusive Vollpension pro Tag 24 Euro. Die Jugendherberge in der nahen Stadt Haderslev berechnet 28 Euro, der Jugendhof Knivsberg an derselben Küste 33 Euro. Der Standard des Pinneberg-Heims ist zwar einfach. Doch für Kerstin Seyfert (CDU) liegt gerade darin der pädagogische Wert. Burghard Schalhorn von der Kreiswählergemeinschaft (KWGP) pflichtet ihr bei: „Den Standard eines Fünf-Sterne-Hotels brauchen die Kinder nicht. Die wollen ein Bett haben, was zu essen und zu trinken und toben“, sagte er.

SPD und Grüne schlossen sich dem FDP-Antrag an und überstimmten die Union mit sieben zu sechs Stimmen. Für Seyfert wird am falschen Ende gespart: „Wir geben das Geld zu über 90 Prozent für Kinder aus dem Kreis Pinneberg aus. 35000 Euro sind ein Promillewert im Haushalt. In der Jugendhilfe haben wir Ausgaben im zweistelligen Millionenbereich“, sagte sie.

Das Angebot richtet sich auch an die Klientel der Jugendhilfe – und wird gut angenommen. 2011 wurden mehr als 3300 Übernachtungen gebucht. Linken-Sprecher Klaus-Dieter Brügmann empfiehlt, offensiver um Gäste zu werben. „Ich finde es katastrophal, dass hier wieder mal eine Möglichkeit für sozial Benachteiligte gekappt wird.“ Er geht davon aus, dass sich seine Fraktion in der Kreistagssitzung am Mittwoch, 6. Juni, der CDU anschließt.

Die Abstimmung könnte knapp ausfallen. SPD, FDP und Grüne haben gemeinsam 29 Stimmen, ebenso viel wie CDU, Linke und KWGP. Schalhorn will beantragen, den Pauschalzuschuss auf eine Förderung pro Übernachtung umzustellen. Auch er sucht jetzt das Gespräch mit den anderen Fraktionen.

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