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Ludwig-Meyn-Gymnasium : „Rein gar nichts“ ist alles

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ein pulsierendes Auf und Ab bevölkert die Bühne des Ludwig-Meyn-Gymnasiums. Ein blinder Captain, ein Metzger, ein Pfarrer, ein Nichtsnutz, ein ganzes Fischerdorf liegt rücklings auf der zum Publikum geneigten Ebene, schreckt aus Träumen, bettet sich wieder, plant einen Mord und entgeht ihm, trinkt und entleert sich, schaut über das Meer und in das eigene Spiegelbild.

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erstellt am 24.Mär.2015 | 20:59 Uhr

Im Minutentakt lassen 40 Schüler der Theater-AG Szenen entstehen. Episode um Episode führen sie mit einem anderen Kostüm, einer neuen Requisite, einer veränderten Haltung die breite Palette des ganz normalen Wahnsinns eines einzigen Tages in dem walisischen Fischerdorf „Llareggub“ vor. Der Name bedeutet rückwärts auf Englisch „Rein gar nichts“. Dabei scheint es, als wollte der Autor Dylan Thomas (1914 – 1939) das Gegenteil erzählen: „Alles“, was im Laufe eines Tages in den Köpfen sämtlicher Bewohner herumspukt und ihnen zustößt.

Der blinde Captain sieht rein gar nichts. Er sieht „Llareggub“ und kennt sie alle: „Die Weiber tratschen, wer ein Baby kriegt, wer ein blaues Auge hat, wer tot ist, wer stirbt, wie teuer die Seifenflocken sind“, sagt er.

In dem Originalhörspiel „Unter dem Milchwald“ tritt er als Erzähler dem Publikum gegenüber. In der Schulaula übernehmen fünf Darsteller diesen Part. Abwechselnd transportieren sie Dylans dichte mit selbstgeschöpften Worten gespickte Sprache, in der ein Kaninchenwald zur See hinab humpeln kann, und die reinliche Hausfrau nicht möchte, dass Menschen auf ihre Stühle atmen.

Die mehr als 50 Rollen erlaubten es den Leitern Andreas Gunst und Björn Manthey, die die Bühne zimmerten, alle AG-Teilnehmer einzuspannen. Viele mussten aber drei oder vier Rollen übernehmen.

Dylans subtiler Humor und der Charme der Gymnasiasten verleihen den Szenen Witz. 160 Minuten lang „rein gar nichts“ zu sehen, ist selten so kurzweilig.

Weitere Vorstellungen in der LMG-Aula beginnen am Freitag, 27. März, Sonnabend, 28. März und Sonntag, 29. März, jeweils um 19.30 Uhr.

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