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Zukunftsweisend : Regio Kliniken bauen U-Bahn-Ring

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ein europaweit einzigartiges Infrastruktur-Projekt bahnt sich im Kreis Pinneberg an. Ein 55 Kilometer langer, unterirdischer Multi-Transfer-Ring (MRT) soll künftig die Städte Elmshorn, Pinneberg, Uetersen und Wedel verbinden.

Der Tunnel wird Platz für eine zweigleisige U-Bahn, ein Erdkabel für den überregionalen Stromtransport und einen Teilchenbeschleuniger bieten. „Wir erhalten damit eine nachhaltige Lösung für die drei großen Herausforderungen des 21. Jahrhundert: schnelle Personenbeförderung, Energie-Transport und die Sicherung von Arbeitsplätzen“, sagte gestern Landrat Oliver Stolz. Finanziert wird das Projekt durch die Initiative InfraPi, einen Zusammenschluss der Regio Kliniken, der Stadtwerke Uetersen, des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) und des Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY. „Es ist an der Zeit, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit branchenübergreifend anpacken“, sagte Otto Melchert, Hauptgeschäftsführer der Kliniken.

Er hatte den Anstoß für das ehrgeizige Vorhaben gegeben. „Die U-Bahnen sind Teil unserer Zentrumsstrategie zum Ausbau einer hochwertigen wohnortnahen Versorgung“, sagte Melchert. Die Zusammenarbeit der drei Krankenhäuser im Kreis Pinneberg werde immer enger, die Straßen im Kreis Pinneberg aber leider nicht breiter. „Wir brauchen einfach eine Möglichkeit, um schnell Patienten, Ärzte und Material von A nach B zu bringen“, so der Klinik-Chef.

Die Planungen für das zukunftsweisende Projekt stehen kurz vor dem Abschluss. Der Bau soll Anfang 2013 beginnen. Angedacht ist, an jedem Krankenhaus einen U-Bahnhof einzurichten. Neben dem Gleis für den öffentlichen Personennahverkehr wird eine Klinik-Trasse gebaut. Dort verkehren im Regelbetrieb das Pflegepersonal und die Ärzte. Zudem wird an jeder Station dreimal am Tag ein Kita-Shuttle halten. Mitarbeiter können ihre Kinder bei pädagogisch geschulten Schaffnern abgeben. Sie bringen die Jungen und Mädchen in den konzerneigenen Kindergarten und holen sie dort rechtzeitig zum Schichtende der Eltern wieder ab. Im Notfall können die Bahnen in Haltebuchten ausweichen, um Platz für das Ambulanz-Shuttle mit OP-Ausstattung zu machen. Melchert fand in den Stadtwerken Uetersen, dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY Partner, die sich rasch für das Projekt begeistern ließen. Nach Informationen unserer Zeitung spielen die Chefs regelmäßig gemeinsam Mini-Golf.

Zwar hatte der Kreistag die DESY-Gesuche zur Ausweisung von Flächen für einen neuen Beschleunigerring stets abgelehnt. Dank Melchert ließen sich CDU und FDP jetzt aber umstimmen. „Wir haben unser Einverständnis an die Bedingung geknüpft, dass InfraPi in dem Zuge in Pinneberg eine neue Kreisberufsschule baut“, sagte Manfred Scheffler, finanzpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Gedacht ist an eine eigene Haltestelle mit darüber liegenden Unterrichtsräumen. Ablehnung kam dagegen von Burghard Schalhorn von den Kritischen-Wählern-Gegen-Politikergemauschel (KWGP): „Das ist doch eine einzige große Vetternwirtschaft hier“, sagte er. Dagegen hob Landrat Stolz den Mehrwert des Projekts für die gesamte Region hervor. Es werde die Ansiedlung hochqualifizierter und kaufkräftiger Arbeitnehmer anziehen, die in ihrer Freizeit AGs an den Offenen Ganztagsschulen anbieten könnten. Nicht zuletzt werde eine Entlastung der Straßen den touristischen Wert des Kreises Pinneberg erheblich steigern. Denkbar sei auch die Ausweisung neuer Mini-Golfplätze.

Jörg Singer, Bürgermeister von Helgoland, signalisierte bereits Interesse an einer Anbindung der Insel in einer zweiten Ausbaustufe. Der Stromtransport von den geplanten Offshore-Windkraftanlagen an das Festland müsse dringend optimiert werden.

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erstellt am 30.Mär.2012 | 21:30 Uhr

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