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Mit Leben erfüllt : Raum der Stille riecht noch nach Farbe

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es ist ein Ort des Abschiednehmens, verbunden mit dem Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen. Und dennoch ist die Haseldorfer Kapelle nach der Sanierung mehr denn je auch ein Ort, der nicht nur für Pastor Helmut Nagel Wärme und Nähe ausstrahlt. „Der Raum umfängt die Menschen, nimmt sie auf und hält sie fest“, sagte er während des Einweihungsgottesdienstes gestern Vormittag.

Unendlich viel Geduld forderte dieses Projekt allen ab, die daran glaubten und sich dafür einsetzten. Jahrelang und immer wieder! Dass gestern nun endlich die Fertigstellung gefeiert werden konnte, sorgte bei vielen Menschen in der schönen Kapelle für tiefe Zufriedenheit und Dankbarkeit. Außergewöhnlich schön sind die Fenster, die nach Entfernung eines Drahtgitters endlich das Licht durchlassen und den Innenraum mit farbigem Licht erfüllen. „In diesem Raum herrscht eine Atmosphäre der Stille, der Ruhe und Geborgenheit“, so Nagel in seiner Begrüßung. Und niemand mochte ihm da widersprechen.

In seiner Predigt ging er aber auch auf den eigentlichen Zweck der Kapelle als einem Ort der Trauer ein. „Sie lässt uns innehalten und still werden“, sagte Helmut Nagel. Wie ein roter Faden zog sich die Mahnung, das Leben als endlich zu begreifen, durch seine Predigt. Egal, wie man es gestalte, „am Ende habe ich keine Sekunde mehr Lebenszeit“, sagte er und forderte dazu auf, sich die Kostbarkeit des Daseins immer wieder vor Augen zu führen.

Dabei verglich Pastor Helmut Nagel das Leben mit einer Welle. „Es baut sich auf, ist am Anfang geprägt ist von einer Zunahme der Lebensenergie und Erfahrung.“ Nachdem der Höhepunkt erreicht sei, fange das Leben an, wie eine Welle am Ufer auszulaufen. „In dieser Kapelle münden ganz unterschiedliche Lebenswelten in eine farbenfrohe Zukunft“, sagte der Pastor in Anspielung auf eine Reihe von Seitenfenstern, deren farbiges Glas in Form einer Welle gestaltet wurde. Auch das ist erst seit der Restaurierung so richtig gut zu erkennen.

Im Anschluss trafen sich die Besucher vor der Kirche zu Kaffee und Kuchen und hörten anschließend einen Vortrag der Haseldorferin Annegret Hamster, die sich darin mit der Friedhofs- und Trauerkultur in Haseldorf in früheren Jahrhunderten beschäftigte. Dazu gehört auch das Wissen, dass der Friedhof neben der Kapelle im 16. Jahrhundert genutzt wurde, um die Pest- und Pockenopfer in der Erde zu verscharren. Erstes Pestopfer in der Gemeinde war ein Gastwirt.

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erstellt am 11.Okt.2015 | 19:54 Uhr

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