Volkstrauertag : Rassismus in der eigenen Umgebung

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„Bei einem Krieg gibt es keine Gewinner. Umso wichtiger ist es, dass wir zu schätzen wissen, schon seit 67 Jahren in Frieden leben zu können“, betonte Bürgermeister Udo Tesch gegenüber den 70 Besuchern der Feierstunde anlässlich des Volkstrauertages im Gemeindehaus am Sonntagvormittag.

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18. November 2012, 17:36 Uhr

Eine wichtige Tradition, die schon seit 1952 alljährlich in Heidgraben an die Opfer der Weltkriege, Vertreibung und Verfolgung erinnert. Doch auch die Hoffnung wurde während der Gedenkstunde am gestrigen Sonntag betont.

Da immer mehr Zeitzeugen das Zeitliche segnen würden, mache sich der ehrenamtliche Verwaltungschef Sorgen, dass keine Verbindung mehr zu den Opfern aus der Zeit der Nationalsozialisten bestehen könne. Diese persönliche Note brauche es aber, um eine überzeugende Arbeit für den Frieden leisten zu können.

„Alle Schüler sollten das Tagebuch der Anne Frank lesen“, gab Tesch daher den anwesenden Eltern am Sonntag mit auf den Weg. Diese warteten vor allem gespannt auf den Auftritt ihrer Zöglinge. Hörbar aufgeregt waren die Heidgrabener Grundschüler kurz vor ihrem Vortrag, meisterten den Auftritt aber mit Bravour und brachten Lebendigkeit in die Feierstunde.

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 4 a und 4 b hatten mit ihren Lehrerinnen Vanessa Schluifer und Ute Matthias das Lied „Was ist das Leben?“ eingeübt, welches sie einem schwedischen Märchen entnommen hatten.

Verschiedene Facetten des Lebens wurden dabei in Form einer Fabel beleuchtet. So sangen die kleinen Heidgrabener von der fleißigen Ameise, der gefräßigen Raupe und der genügsamen Eintagsfliege; untermalten ihre Verse dabei mit selbstgefertigten Bildern der besungenen Situationen.

Ernster wurde es anschließend bei der Ansprache von Pastorin Almut Bretschneider. Sie erinnerte nicht nur an die Gefallenen der Weltkriege, sondern mahnte auch an, im Hier und Jetzt Acht zu geben. Schließlich hatte sich erst am 4. November die Entdeckung der rechtsradikalen sogenannten „Zwickauer Terrorzelle“ gejährt.

„Ich frage mich, was passiert gerade in unserem Land?“, so die Pastorin. Eine Umfrage habe ergeben, dass jeder elfte Deutsche sich mit rechtsradikalem Gedankengut anfreunden kann, beziehungsweise eine nationalsozialistische Gesinnung habe. Eine Gesinnung, die durch die Anschläge der Terrorgruppe NSU in der vergangenen Dekade zehn unschuldige Menschenleben forderte.

„Stellen Sie sich vor, unser Gemüsehändler in der Uetersener Innenstadt wäre Opfer eines solchen Anschlages geworden!“, brachte Pastorin Bretschneider die Taten der Rechtsradikalen in die unmittelbare Umgebung der Zuhörerinnen und Zuhörer.

Ein Gedenken der Opfer rechtsradikaler Anschläge sei bitter nötig: „Es gibt keine einfache Antwort, warum so etwas passiert. Klar ist aber, dass das Fremde oftmals als Sündenbock dienen muss“, so die Geistliche. Man könne aber nicht alle Probleme so einfach abschieben. Doch in Heidgraben weiß man, wie interkulturelles Handeln und Völkerverständigung funktioniert – hat die Gemeinde doch schon seit Jahren eine hervorragend gepflegte Partnerschaft mit der französischen Stadt Challes.

Umrahmt wurde die Feststunde vor der Kranzniederlegung von Darbietungen der Heidgrabener Liedertafel von 1906, die dafür sogar eigens ein Lied von den Ureinwohnern der Vereinigten Staaten von Amerika ins Deutsche übersetzten – ein weiteres Ausrufezeichen ins Sachen gelebter, interkultureller Verständigung.

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