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Uetersener Nachrichten

21. November 2017 | 20:37 Uhr

Rallye für den guten Zweck

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

6200 Kilometer, von Deutschland bis nach Gambia: Die Tornescherin Birgit Bartsch hat vor Kurzem an einer einmaligen Rallye teilgenommen. Im Interview spricht sie über ihre Erlebnisse und die Hilfsprojekte, die mit der Fahrt unterstützt wurden.

von
erstellt am 20.Mai.2017 | 15:49 Uhr

Frau Bartsch, wie lautet Ihr Fazit der Rallye?
Birgit Bartsch: Wir hatten Glück, dass wir überhaupt hingekommen sind, da unser Auto ja in Frankreich kaputt gegangen ist und wir fünf Tage lang liegen geblieben sind. Dann mussten wir die eigentlich eingeplanten Ruhetage zum Fahren nutzen. Sonst hätten wir es nicht geschafft. Die Mitarbeiter der Werkstatt in Frankreich waren sehr hilfsbereit und haben sich, nachdem sie wussten, was wir vorhaben, wirklich ins Zeug gelegt. Da muss man echt ein großes Lob aussprechen.

Anschließend hieß es für uns: Fahren. Die anderen Teilnehmer sind bereits am Mittwoch mit der Fähre nach Afrika gefahren, wir erst am Sonnabend. Wir mussten entsprechend alles für uns selbst organisieren, etwa die Fähre zu buchen.

Wie ging es in Afrika weiter?
Wir sind dann quasi durchgefahren. Die anderen Teilnehmer hatten zum Beispiel die Gelegenheit, sich Marrakesch anzuschauen oder das Atlasgebirge zu besuchen. Das hatten wir eigentlich auch vor, konnten das aber zeitlich nicht mehr schaffen. Wir sind morgens so gegen 9 Uhr auf die Autobahn und dann bis etwa 19 Uhr gefahren. Abends ging es dann nur noch in eine Unterkunft für die Nacht. Nachts zu fahren ging ab Agadir nicht mehr, es gab nur noch Landstraßen und das wäre zu riskant gewesen.

Wann haben sie den Rallye-Tross wieder erreicht?
Wir mussten spätestens Mittwochmorgen in Dakhla in Südmarokko sein, weil die Tour anschließend nach Mauretanien führte. Und das, etwa den Grenzübergang, hätten wir dann alleine nicht mehr geschafft. Wir sind zum Glück dann schon am Dienstagnachmittag in Dakhla angekommen und haben das Auto dort für die Fahrt in die Wüste vorbereitet. Auch Vorräte haben wir besorgt.

Wie war es dann an der Grenze?
Wir haben zunächst fast sieben Stunden an der Grenze nach Mauretanien gestanden. Wir waren ja gut 100 Personen. Und alle brauchten ein Visum. Sprich: Von allen musste ein Foto gemacht und von allen Fingerabdrücke genommen werden.

Was waren die schönsten Erlebnisse, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Es gab sehr viele. Toll waren zum Beispiel die vier Tage in der Wüste, gerade für mich Neuling, die noch nie dort war. Man wusste ja gar nicht, was auf einen zukommt. Widererwarten war es in der Wüste gar nicht so heiß. Wir hatten recht schlechtes Wetter. Ja, es war warm, aber eine lange Hose durchaus angebracht. Die Organisatoren haben mir erzählt, dass sie so kühles Wetter in den letzten zehn Jahren nicht hatten. Der Sandflug war allerdings sehr kräftig. In jeder Ritze, überall hatten wir Sand. Insgesamt war es toll, mal vier Tage lang zu schauen, wie man in der Wüste zurechtkommt. Denn was man nicht mitgenommen hatte, bekommt man eben nicht mehr. Es gab ein unheimlich riesiges Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Teilnehmern, man ist durch die Tage extrem zusammen gewachsen. Wenn ein Auto kaputt gegangen ist, haben andere Halt gemacht und geholfen − jeder nach seinen Möglichkeiten. Wenn jemand stecken geblieben ist, haben alle beim Rausziehen geholfen. Das war toll zu sehen.

Wie kann man sich die Reisegruppe vorstellen?
Es gab ein Team aus Luxemburg, ansonsten kamen alle Teilnehmer aus Deutschland. Aus Norddeutschland waren zwei junge Männer aus Flensburg, einer aus Rendsburg und ein Team aus Rotenburg dabei. Der Großteil der Teilnehmer kam aus dem Großraum Dresden und Süddeutschland.

Haben Sie auch Hilfsprojekte besucht?
Ja, vor allem solche, die von der Organisation DBO unterstützt werden. Zum Beispiel ein Krankenhaus, das ein Arzt ins Leben gerufen hat, ohne es geplant zu haben. Eigentlich wollte er im kleineren Rahmen helfen, doch die Nachfrage war so groß, dass aus einer Hütte schließlich ein kleines Krankenhaus geworden ist. Inzwischen werden dort sogar Krankenschwestern ausgebildet, die anschließend wieder in ihre Heimatregionen gehen und dort unter anderem Präventions- und Hygienearbeit leisten. Zudem wurde dort auch eine Näherei aufgebaut. Im Senegal und in Gambia dürfen eigentlich nur Männer nähen. So können ausgebildete Frauen ihren Lebensunterhalt dann selbst verdienen.
Wir haben auch zwei Schulen besucht, eine ist eine Inklusionsschule, die einzige in Gambia. Dort wurde erst mit einer Kinderkrippe angefangen, mittlerweile gibt es bereits eine siebte Klasse. An der anderen Schule haben wir unter anderem mit einem Lehrer gesprochen und ihn gefragt, wie viel er im Monat verdient. Es sind 1000 Dalasi, umgerechnet nichtmal 20 Euro. Das ist wirklich sehr wenig.


Berichten Sie bitte über Banjul, die Hauptstadt von Gambia.
Es ist eine schöne Stadt. Vor Jahren ist der Marktplatz abgebrannt, der mittlerweile aber wieder aufgebaut ist. Man kann leider nicht mehr so viele Häuser aus der Kolonialzeit sehen. Einige sind noch vorhanden, die sind sehr schön. Grundsätzlich ist sehr viel los auf den Straßen, es gibt viele Händler. Man wird allerdings nie bedrängt.

Wie sind Versteigerung und Abschlussfeier der Rallye abgelaufen?
Fast den gesamten Tag wurden unsere Autos versteigert. Am Ende sind, auch Dank Spenden von den Teammitgliedern, 100  000 Euro zusammen gekommen, die nun für die Hilfsprojekte der Organisation zur Verfügung stehen. Die diesjährige Rallye war diejenige, die am meisten Geld eingebracht hat.
Abends gab es noch eine Abschlussfeier für die Rallyeteilnehmer. Wir haben nett zusammen gesessen, gegrillt und die Rallye Revue passieren lassen. Es gab auch einige Ehrungen. Unter anderem für mich, weil ich quasi durchgefahren bin.

Würden Sie so eine Rallye nochmal machen?
Ja, definitiv. In zwei bis drei Jahren würde ich nochmal mitfahren. Zum Beispiel um eine Fahrt am Strand nachzuholen, die in diesem Jahr aufgrund des schlechten Wetters leider ausfallen musste und um wiederholt Spenden nach Gambia zu bringen, die die Menschen dort wirklich benötigen.


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