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Uetersener Nachrichten

19. August 2017 | 15:22 Uhr

SHMF : Prahl rockt den Bootsschuppen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Eine Stimme wie aus dem tiefsten New Orleans, schwarz, mit diesen kleinen Brüchen darin, ein bisschen verraucht, ein bisschen versoffen, ein bisschen Reibeisen, eine richtig klassische Rock- und Blues-Röhre. Aber Axel Prahl kann auch anders und das war auch im Wedeler Schuppen 1 im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals kein Widerspruch, sanfte Balladen, fetziger Rock, elegischer Blues, mal Rapper Bushido auf die Schippe nehmend.

Doch er ahmt niemanden nach, er ist Axel und bleibt der Holsteiner Jung, einer von uns, aufgewachsen in Eutin, der schnackt wie wir, der singt göttlich, obwohl er jetzt in Berlin lebt. Und auf Helgoland (Kreis Pinneberg, Hurra dem Lokal- Patriotismus) erst kürzlich zum dritten Mal seine Lebensgefährtin Silja geheiratet hat - watt uns einen Schiet angeiht – und wohl immer gern nach Schleswig-Holstein zurückkehrt.

Der als Schauspieler viel bekanntere Axel Prahl, er gibt den bärbeißig-brummeligen Münsteraner Tatort-Kommissar und verkörpert bodenständige sympathische Originale in vielen Filmen genauso überzeugend wie echte Kotzbrocken, bringt sein vielseitiges Können mit ein, hebt sein Publikum symbolisch mit auf die Bühne, gibt ganz schön strengen Gesangsunterricht und schafft es, in der immerhin 1000 Menschen fassenden Bootshalle Clubatmosphäre zu etablieren. Da feiern alle gemeinsam, junge, alte, begeisterte Fans und die Musiker. Nie wird es flach, mal toller Heidenspaß, mal nachdenklich, mal kabarettistisch, mal weht der Hauch von Romantik durch die weißen Plastikstuhlreihen.

Aber auch unmööööglich – da steht einer, der gibt zu, dass er nach dem Konzert stinkt, der singt und trinkt eine Flasche Astra nach der anderen, einer der sich in seinem Schmachter eine Zigarette anzündet und behauptet, das sei ein leuchtender Dirigentenstab, den seine Musiker auch im Dunkeln sehen könnten und demonstrativ mit dem Räucherstäbchen auf der Bühne herumspringt. Und der mit seiner irren Rockröhre beweist, dass Roy Blacks klebriger Schmachtfetzen „Du bist nicht allein“ ganz anders daherkommen kann. Den verhinderten Rocker Roy Black hätte es gefreut.

Klar, Axel Prahl punktet auch mit seinen Schauspielkünsten. Wenn er beim Tanz auf dem Vulkan durch sein Insel-Orchester hopst, kreischen alle und würden am liebsten mittanzen. Der Prahl braucht keine Luftschaukeln und keinen monströsen Bühnenaufbau, der macht alles selbst, spielt, fasziniert, moderiert, unterhält, einzig unterstützt von seinem genialen Inselorchester, tolle Musiker, einer wie die andere. Zwei Frauen, fünf Männer.

Der soll bloß wieder nach Hause kommen, der Axel Prahl. Der gehört hierher und verkörpert den neuen alten „Spirit“ des Schleswig-Holstein Musik Festivals im Original.

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erstellt am 24.Aug.2014 | 18:17 Uhr

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