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20 Jahre Amschler-Stiftung : Posthume Kulturförderung

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Mit einer Retrospektive würdigt die Stadt Wedel ab morgen die Bildhauerin Vilma Lehrmann-Amschler. Die Verbindung ist vor allem Geld, denn Lehrmann-Amschler hinterließ der Stadt nach ihrem Tod 1989 ein Vermögen, nämlich fast eine Million Mark. Vor 20 Jahren wurde das Kapital in eine Stiftung mit dem Zweck der Kunst- und Kulturförderung überführt und ist inzwischen auf 760000 Euro angewachsen.

„Das 20-jährige Jubiläum ist für uns ein guter Anlass, mal wieder auf die Stiftung aufmerksam zu machen. Deshalb auch die Ausstellung“, sagte Stiftungsratsvorsitzende und ehemalige Wedeler Stadtpräsidentin Sabine Lüchau gestern während einer Pressekonferenz. Da Vilma Lehrmann-Amschler überwiegend im öffentlichen Raum arbeitete, werden neben einigen Gipsskulpturen, die als Arbeitsvorlagen dienten, vor allem Fotografien ihrer Skulpturen zu sehen sein.

Geboren 1910 im heutigen Serbien, gestorben 1989 in einem Wedeler Pflegeheim, einsam und nach der Amputation beider Beine schwer krank, dazwischen ein Kunststudium, die Hochzeit mit dem Grafiker Alfred Amschler und ein offenbar reiches künstlerisches Schaffen in Berlin und Hamburg – das ist beinahe alles, was über Vilma Lehrmann-Amschler bekannt ist.

In ihrem Testament verfügte sie, die Stadt solle das Geld ausschließlich zum Zwecke der Kunst- und Kulturförderung verwenden und sich im Gegenzug um ihre Beerdigung sowie die Pflege ihrer Grabstelle auf dem Waldfriedhof kümmern. „Es ist ein kleines, unscheinbares Grab, so wie sie es sich vorgestellt hat“, sagte Sabine Lüchau. Dem Stiftungsrat stehen aus den Zinserträgen derzeit jährlich etwa 7000 Euro zur Verfügung, die auf Antrag ausgeschüttet werden. „Schnell und unbürokratisch“, sagte Kulturamtsleiter Burkhard Springer. Mehr als 300 Projekte wurden in den vergangenen 20 Jahren gefördert, darunter Chöre, die Familienbildung und Kindertheater. So viel Gutes Lehrmann-Amschler ihrer Wahlheimat auch angedeihen ließ, eine umfassende Aufarbeitung ihres Lebens steht noch aus. Aber es gibt offenbar eine kunsthistorische Einordnung ihres Werkes durch Fachleute etwa des Barlach-Museums und des Wedeler Stadtmuseums. Und demnach reicht die Bedeutung des Lehrmann-Werkes eben nicht an das eines Ernst Barlach heran, weshalb die Stadt denn auch darauf verzichtete, die Beziehung der Bildhauerin zu Wedel zu vermarkten.

Aber die Künstlerin ist im Stadtbild präsent. Vor der Volkshochschule stehen ihre „Spielenden Kinder“, auf dem Gelände der Moorwegschule das „Mädchen mit Hund“, im Stadtmuseum sowie im Wedeler Klinikum stehen Büsten. Die Retrospektive wird morgen Abend um 19 Uhr im Rathaus eröffnet und ist anschließend bis 7. April zu sehen. Die Einführung in das Werk übernimmt Stiftungsratsmitglied Günther Wilke.

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erstellt am 09.Mär.2015 | 21:58 Uhr

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