Meinungsaustausch : Politisches Gespräch unter Freunden

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Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann hat sich für einen kleinen und regional orientierten Fleischmarkt und gegen eine Ausweitung des Exports in der Branche ausgesprochen. „Davon profitieren Kunden und Produzenten gleichermaßen“, sagte Rossmann während eines Besuchs gestern in der Seestermüher Fleischerei Fülscher. Im Gespräch mit Unternehmer Jan-Peter Fülscher und Bürgermeister Thorsten Rockel forderte Rossmann außerdem, bei der EEG-Umlage die kleineren Betriebe stärker in den Blick zu nehmen, um Wettbewerbsnachteile gegenüber den Industrieunternehmen zu verhindern.

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29. Juli 2014, 22:47 Uhr

Hintergrund: Das Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus natürlichen Quellen in das Netz und ist ein Schritt hin zu dem von der Bundesregierung beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft. Die von den Verbrauchern dann zu zahlende Umlage soll die höheren Kosten der Netzbetrieber deckeln. Mit kontrovers diskutierten Ausnahmeregelungen etwa für die Industrie soll erreicht werden, dass die deutsche Wirtschaft international wettbewerbsfähig bleibt. Auch Unternehmer Jan-Peter Fülscher befürchtet, die geplanten Entlastungen für Großunternehmen könnten sich negativ auf die kleinen Betriebe auswirken. „So werden regionale Strukturen zerstört und Arbeitsplätze vernichtet“, sagte er.

Gleichzeitig warb Fülscher für ein besseres Image der Branche: „Wir hatten noch nie eine so hohe Lebensmittelsicherheit, und die Hygienevorschriften werden kontinuierlich weiter ausgebaut.“ Die Fleischerei Fülscher ist ein Familienbetrieb mit einer starken regionalen Konzentration. Das Unternehmen kauft Vieh von Höfen, die höchstens 30 Kilometer entfernt liegen. Auch die Abnehmer sind in diesem Radius zu finden. Ausnahme ist lediglich die Firma Edeka, die nach dem Umzug aus Pinneberg 100 Kilometer entfernt liegt. Die kurzen Transportwege schonten die Umwelt, die Tiere und sparten Kosten, so Jan-Peter Fülscher. Produziert wird für die regionale Gastronomie und regionale Schlachtereien. „Wir haben über Jahrzehnte gewachsene Strukturen, die mir viel mehr Wert sind als Profitstreben.“

Voraussichtlich im Herbst führt er zusammen mit Tierärzten eine Gesundheitskarte für Schweine ein, um die Sicherheit für die Verbraucher weiter zu erhöhen. Gemeint ist eine spezielle Software, mit der die Daten jedes geschlachteten Tieres gespeichert werden, insbesondere Angaben über den Gesundheitszustand und die Herkunft. Bei Auffälligkeiten hat der Landwirt umgehend zu reagieren. Tut er das nicht, kann das schon mal zum Ende der Geschäftsbeziehungen mit Fülscher führen, in der Vergangenheit einmal passiert.

Jan-Peter Fülscher geht allerdings auch den umgekehrten Weg, arbeitet mit Prämien für die Landwirte, die höchste Qualität liefern, mit ihren Tieren gut umgehen. Etwa 850 Schweine werden in der Fleicherei pro Woche geschlachtet. Jeder Schlachtvorgang wird von Tierärzten und Fleichbeschauern begleitet und überwacht.

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