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Diskussion um ein Denkmal : Politiker sagen „Ja“ zur Turmidee

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Diese alte Volksweisheit erlangt zuweilen auch heute noch Gültigkeit. Wie kann ein Wasserturm in Zukunft genutzt werden, der nicht betreten, aber auch nicht abgerissen werden darf? Bislang haben alle nach oben geschaut, 38 Meter in die Höhe, um die Antwort dort zu finden. Im verklinkerten Teil des Turms befindet sich noch heute der große Wassertank. Und der soll dort auch bleiben. Und auch wenn er irgendwann einmal herausgeschweißt werden könnte, der dann frei werdende Raum darf aufgrund strenger Vorschriften beim Brandschutz gar nicht genutzt werden.

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2013 | 19:40 Uhr

Eine weitere Fluchttreppe ist aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig. Was tun? Den Abriss weiter verfolgen?

Thomas Butzlaff und Katja Tewes, zwei Architekten aus Uetersen und Brande-Hörnerkirchen, haben nicht nach oben geschaut, sondern nach unten. Sie haben den Fuß des Turmes näher in Augenschein genommen. Und dort fanden sie die Antwort auf alle Fragen. Der ebenerdige Bereich soll nach Ideen der beiden Fachleute von einem Rundbau umspielt werden, der später als Büro genutzt werden kann. Beide hatten in den UeNa bereits erklärt, dass sie den Turm für einen symbolischen Euro erwerben und dann sanieren wollten.

Diesem mit der Stadt abzuschließenden Kaufvertrag vorgeschaltet waren am Donnerstag Beratungen im zuständigen Fachausschuss für Bau, Umwelt und Verkehr. Die Politiker mussten entscheiden, ob sie dem Antrag der beiden Architekten stattgeben wollten. Sie hatten darum gebeten, den bestehenden Bebauungsplan zu ändern. Katja Tewes und Thomas Butzlaff hatten während der Sitzung im Ratssaal erklärt, dass sie den Wechsel ihres Hauptsitzes von Brande-Hörnerkirchen nach Uetersen gerne mit ihrem Vorhaben am Wasserturm verknüpfen würden.

50 Prozent der Arbeit des Ingenieurbüros befasse sich mit dem Thema Altbausanierung. Daher könne man einschätzen, welche Summe erforderlich sei, um den Turm zu restaurieren, habe sich aber dennoch entschlossen „Ja“ zu sagen. Und das auch, um ein Kulturdenkmal zu erhalten, erläuterte Butzlaff.

Henning Trepkau, Uetersens Stadtplaner, stellte den Politikern Planzeichnungen vor. Diese waren sehr angetan von dem Vorhaben und stimmten der B-Plan-Änderung einstimmig zu. Beide Seiten wissen einen dritten Partner mit im Boot: die Untere Denkmalschutzbehörde, also den Kreis. Dort hat man bereits wohlwollende Begleitung zugesichert. Die Kosten für die Renovierung des Uetersener Wahrzeichens werden auf mehr als 100000 Euro geschätzt. Katja Tewes und Thomas Butzlaff, beide in Uetersen aufgewachsen, haben schon verraten, dass sie sich vorstellen können, gelangen sie in das Eigentum des Turms, das Gebäude am „Tag des offenen Denkmals“ zu öffnen und so der interessierten Öffentlichkeit Einblick in ein Stück Stadtgeschichte zu gewähren.

Für die Stadt ist die Bereitschaft der Architekten ein wirklicher Glücksfall, ersparen diese der Kommune doch eine jahrelange Auseinandersetzung mit dem Denkmalamt. Bekanntlich hatte Uetersen den Antrag gestellt, den Turm abreißen zu dürfen. Der Wunsch war von Pinneberg zurückgewiesen worden.

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