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Therapieplätze : Politik trifft auf Wirklichkeit

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Psychische Erkrankungen haben auch im Kreis Pinneberg in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Wartezeiten für einen ambulanten Therapieplatz betragen oftmals mehrere Wochen oder gar Monate.

Ein untragbarer Zustand, finden die Landtagsabgeordneten der Grünen, Ines Strehlau und Dr. Marret Bohn, die zugleich sozial- und gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. „Die Therapiekette wird unterbrochen, wenn therapiebedürftige Menschen auch nach einem stationären Aufenthalt lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen“, so Joachim Fitschen vom Diakoniewerk Jerusalem, der als Bereichsleiter den ambulanten Hilfsdienst „Ohr und Hand“ in Elmshorn führt.

Zwar stellt sich die Versorgungs- und Betreuungssituation im Kreis Pinneberg vergleichsweise moderat dar, das aber liegt vor allem an den Bedarfszahlen für psychische Erkrankungen, die noch aus dem Jahr 2000 stammen. „Würde man den heutigen Bedarf zu Grunde legen, gäbe es, wie in anderen Kreisen auch, eine Unterversorgung an Therapieplätzen“, so Marret Bohn, die mit ihrer Fraktion bereits Ende 2010 eine Bundesratsinitiative des Landes auf den Weg bringen wollte, die Bedarfszahlen anzupassen. Das blieb leider ohne Erfolg: die Landesregierung folgte dem Antrag nicht, jetzt liegt der Ball in Berlin. „Dort passiert aber nichts mehr“, sagt Ines Strehlau. Auch für Joachim Fitschen stellt sich die Situation seines ambulanten Dienstes prekär dar. „Die Mittel werden Jahr für Jahr herunter gefahren, obwohl der Bedarf wächst.“ Fitschen kritisiert auch, dass es bei den Gesprächen mit dem Ministerium nur noch um Budgetzahlen ginge, die fachliche Auseinandersetzung jedoch auf der Strecke bleibt.

So traf die politische Theorie auf die praktische Wirklichkeit, die leider nicht zusammenpassen. Marret Bohn und Ines Strehlau wollen sich nun für mehr Kommunikation mit den Fachleuten einsetzen und auch eine neue Bedarfsplanung analog eines Sozialbudgets auf den langen parlamentarischen Weg bringen.

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erstellt am 23.Nov.2011 | 21:29 Uhr

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