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Uetersener Nachrichten

17. Oktober 2017 | 19:54 Uhr

Neujahrsempfang : Plauderer mit einer Botschaft

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ein Mann bleibt sich selbst treu: Peter Harry Carstensen ist auch im politischen Ruhestand ein humorvoll-bissiger Redner mit Verständnis für menschliche Schwächen und einer entwaffnenden Ehrlichkeit. Als Gastredner beim Neujahrsempfang der Senioren-Union (SU) gestern in Rellingen plauderte der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident locker über sein Leben nach der Politik, über sein Scheitern als Weinbauer und die Fehler der rot-grünen Landesregierung.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2016 | 22:05 Uhr

Lösungsansätze für politische Probleme gab es von dem Mann, den die FAZ bei seinem Abschied aus dem Amt des Regierungschefs 2012 als den beliebtesten Ministerpräsidenten, den Deutschland je hatte, bezeichnete, nicht. Er sei, so gab Carstensen unumwunden zu, nicht mehr so eng wie früher in den täglichen Informationskreis eingebunden und könne deshalb nicht auf jede Frage antworten.

Entsprechend sparsam ging er mit Kritik um, warf dem amtierenden Ministerpräsidenten Torsten Albig allerdings fehlende Bürgernähe („Wer Politik macht, muss Menschen mögen.“) und seinem Kabinett eine schlechte Finanzpolitik vor. Angesichts der Schuldenlast des Landes forderte Carstensen eine Überprüfung der hohen Standards etwa im Straßen- oder Wohnungsbau. „Wir müssen Investitionen einfacher und billiger machen“, sagte er im Hinblick auf den schleppenden Ausbau der A20.

Und schließlich bezeichnete er Übergriffe auf Flüchtlinge als abscheulich, forderte aber, Kritik an der Asyl- und Flüchtlingspolitik nicht sofort als „unanständig“ zu bezeichnen, eine Spitze gegen den SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner, über den er sich häufiger mal ärgere. „Geht ordentlich mit den Flüchtlingen um, denn sie sind die Schwächsten und nicht Schuld an dem, was wir hier derzeit erleben.“

Die Zitate des Peter Harry Carstensen

Seine Wegbegleiter sind sich einig: Peter Harry Carstensens Sprüche sind legendär. Vor den Gästen der Senioren-Union zeigte der in Elisabeth-Sophien-Koog geborene und in zweiter Ehe verheiratete Christdemokrat, dass er es immer noch drauf hat!

„Sie glauben ja gar nicht, wie viel Lob der Mensch vertragen kann, bevor die Seele Schaden nimmt“, sagte er nach der warmherzigen Begrüßung durch den SU-Vorsitzenden Josef Werner. „Ich kann nicht Klavier spielen und nicht singen, und weil ich nur summen kann, habe ich mir Bienen angeschafft“, sagte er über sein Leben als Imker.

„Es kann doch nicht sein, dass irgendein impotenter Kranich den Flughafenausbau in Lübeck torpediert“, sagte er als Kritik an den Infrastrukturprojekten der amtierenden Landesregierung. Über SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner: „Das ist der Erfinder des Sodbrennens.“ „Wenn ich eine bessere Ausbildung gehabt hätte, hätte ich vielleicht auch noch einen besseren Beruf bekommen“, sagte er über seinen politischen Werdegang.

„Ich bin einer, der gerne mit dem Finger arbeitet: Du machst das, und du machst das“, sagte er über sein Faible für das Delegieren.

„Ich hatte immer vor, in meiner Zeit als Ministerpräsident zu promovieren. Aber den Titel hätte man mir wahrscheinlich irgendwann wieder abgenommen, weil meine Mitarbeiterin das meiste geschrieben hätte“, sagte der Träger eines Ehrendoktortitels.

„In meiner Zeit als Ministerpräsident war ich auch mehrmals beim Papst, weil ein Katholik ab und zu mal den Trost eines Protestanten braucht.“ cel

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