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Aufruf : Platznot an der Elbe: Wohin mit Flüchtlingen?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Bürgermeister Niels Schmidt hat die Wedeler Bürger in einem dringlichen Appell aufgerufen, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Gesucht werden neben Wohnungen auch leer stehende Bürogebäude mit kleineren Einheiten, andere Gewerbeobjekte, Ferien- und Monteurswohnungen. „Wenn wir keine Kapazitäten haben, stehen wir vor einer unlösbaren Aufgabe. Deshalb bitten wir um Hilfe und Unterstützung“, sagte der Verwaltungschef gestern.

Es geht beinahe nichts mehr in der Rolandstadt. Weil die Zahl der ankommenden Flüchtlinge vor allem aus Eritrea, aber auch Syrien, Afghanistan und Irak sprunghaft in die Höhe geschnellt ist, gibt es kaum noch Platz in Wedel. „Wir wollen möglichst weiter dezentral unterbringen, weil wir damit gute Erfahrungen gemacht haben“, so Niels Schmidt. Eine Turnhallenbelegung möchte die Stadt unter allen Umständen vermeiden. „Bevor wir das machen, müssen wir erst alles anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben“, so Schmidt. Zelte sind vor dem Hintergrund des beginnnenden Herbstes ebenso wenig eine Alternative wie Container. „Es sind keine mehr zu kriegen, und außerdem sind die Kosten dafür explodiert“, sagte der Bürgermeister. Jede Woche kommen zehn Personen in die Stadt an der Elbe, Die Verwaltung hat jeweils zehn Tage Vorlauf, um ihre Unterbringung zu organisieren. „Bislang haben wir 134 Menschen aufgenommen, und wir rechnen damit, dass es bis Ende des Jahres mindestens 300 werden“, sagte Oliver Wleklinski, Leiter des Fachdienstes Soziales. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013 kamen 46 Zuwanderer, 2014 waren es 88. „Wir haben in der Vergangenheit schon vorsorglich Wohnraum angemietet und haben jetzt noch einmal 40 Makler und Wohnungsgesellschaften angeschrieben“, sagte Bürgermeister Niels Schmidt. In den elf städtischen Häusern und 13 angemieteten Wohnungen leben inzwischen insgesamt 252 Flüchtlinge, 128 Wohnungslose und 13 Aussiedler. Das Leben hier sei für die Bewohner „alles andere als luxuriös“, sagte Niels Schmidt.

Inzwischen gibt es die ersten Wedeler, die Platz in ihrer eigenen Wohnung oder ihrem Haus zur Verfügung stellen wollen. Selbst diese Alternative wird inzwischen geprüft. „Für mich gibt es kein Tabu. Was immer ich vertreten kann, wird gemacht“, sagte Niels Schmidt. Auch eine Unterbringung in Hotelzimmern schließt der Verwaltungschef nicht aus. Bis Ende des Monats, so die vorsichtige Schätzung, gibt es noch Platz, dann sind auch die letzten Kapazitäten erschöpft, wenn sich nicht weitere Vermieter finden.

Gleichzeitig kommen die Planungen für den Bau von neuen Flüchtlingsunterkünften nur schleppend voran. Fünf Standorte sind im Gespräch, zwei davon sollen im kommenden Jahr gebaut werden, wenn es nach Schmidt und Fachbereichsleiter Ralf Waßmann geht. Dann hätte die Stadt noch einmal Platz für 80 Personen, bei anhaltend hohen Flüchtlingszahlen, von denen inzwischen auch in Wedel alle ausgehen, kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Gegen die Pläne für die Feldstraße gibt es außerdem Widerstand und inzwischen auch ein von den Nachbarn auf den Weg gebrachtes Bürgerbegehren, dessen Ausgang noch völlig offen ist. Die andere Unterkunft könnte Am Steinberg entstehen.

Bis es so weit ist, wird ohne den freien Markt allerdings nichts gehen in Wedel.

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erstellt am 03.Sep.2015 | 18:50 Uhr

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