Gelebte Spiritualität : Pilgern auf dem Jakobsweg

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Gemeinsam wandern, schweigen, singen, reden, essen: Der theologische Gesprächskreis der St.-Johannes-Kirche in Seester lädt für Sonntag, 13. Juli, zu einem „Pilgertag auf dem Jakobsweg“ ein.

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19. Juni 2014, 19:33 Uhr

Erstmals in der mehrjährigen Tradition werden die Teilnehmer einem alten Pilgerpfad folgen. „Wir waren in der Seestermüher Marsch oder in Uetersen unterwegs. Das kennen wir alles schon. Daher kam die Idee, wirklich auf einem historischen Pilgerweg zu gehen“, sagte Pastorin Bettina Feddersen.

Wer mitlaufen will, sollte sich um 9 Uhr am Elmshorner Bahnhof einfinden. Mit dem Zug fährt die Gruppe nach Glückstadt. Auf dem Elbdeich geht sie entlang des Jakobswegs bis zur Störmündung, dann nach Ivenfleth und Borsfleth. Dort verlassen die Wanderer den Jakobsweg, um einem Pfad der Nonnen eines Zisterzienserklosters zu folgen, das einst in Ivenfleth stand. Ziel ist Krempe, wo die Pilger den Zug nach Elmshorn besteigen werden. Während die alten Wallfahrer nach Süden marschierten, wird Feddersen die Gruppe in entgegengesetzter Richtung führen. Unterwegs will sie geistliche Impulse geben. „Es ist eine Auszeit vom Alltag, um neu über das Leben und die Wertigkeiten im Leben nachzudenken“, sagte sie.

Zu Beginn werden die Pilger auf dem Glückstädter Deich einen Gottesdienst feiern. Das Thema „Auf den Spuren des Glücks“ verknüpft den Städtenamen mit dem Jahresvers der Kirchen „Gott nahe zu sein ist mein Glück“. An weiteren Stationen will Feddersen alte Texte aus dem Geist der Zisterzienser lesen. Auf einer Etappe sollen die Pilger für etwa 20 Minuten schweigen. Auf dem Klostergelände in Ivenfleth wollen sie mitgebrachtes Essen teilen. In der St.-Urban-Kirche zu Borsfleth werden sie eine Andacht feiern.

Die Organisatoren sind mit ganzem Herzen dabei. „Es ist einfach schön, sich in der Natur zu bewegen, eine Verbindung zum Glauben und zu Gott herzustellen, innezuhalten und sich beim Innehalten zu bewegen“, sagte ein Mitglied des Gesprächskreises.

Im vergangenen Jahr schlossen sich erstmals Christen aus Haselau, Haseldorf und Moorrege der Gruppe an. Auch Pilger aus anderen Orten sind willkommen. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Mitzubringen sind ein Rucksack mit Getränk und Fingerfood zum Teilen, Regen- und Sonnenschutz, wandertaugliches Schuhwerk, Geld für die Bahnfahrt. Die Strecke ist etwa zwölf Kilometer lang. Wer nicht den gesamten Weg mitwandern will, kann sich in Ivenfleth oder Borsfleth abholen lassen.

Längste europäische Pilgerroute

Der vermutlich älteste Weg von Nord- nach Mitteleuropa führt durch die Elbmarschen. Die Via Jutlandica („Jütländischer Weg“) verbindet die dänische Stadt Aalborg mit Harsefeld im Landkreis Stade und findet dort Anschluss an die Via Baltica, eine historische Route nach Süden.

Die Via Jutlandica gehört damit zu der längsten europäischen Pilgerroute, dem Jakobsweg, der von Trondheim in Norwegen bis in den 5200 Kilometer entfernten spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela führt. Bei Glückstadt kreuzt er die Elbe.

Im Mittelalter zogen hunderttausende Pilger auf dieser Route nach Italien und Spanien. Über die Jahrhunderte gerieten die nordeuropäischen Pfade in Vergessenheit. Ab 2005 arbeiteten Pilger den Verlauf jedoch wieder heraus. Zwei Jahre später eröffnete die Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft die Via Jutlandica wieder. www.via-jutlandica.de

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